Umberto Eco

Die Geschichte der Schönheit

Cover: Die Geschichte der Schönheit
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446204782
Gebunden, 440 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Mitarbeit: Girolamo de Michele. Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Martin Pfeiffer. Mit zahlreichen Farbabbildungen. Was ist Schönheit? Umberto Eco erzählt in seinem großen, reich illustrierten Buch, dass Schönheit nie etwas Absolutes und Unveränderliches ist, sondern je nach Zeiten und Kulturen ganz verschiedene Gesichter hat. Von der Antike bis zu den abstrakten Formen der Gegenwartskunst, von Licht und Farbe im Mittelalter bis zur Malerei der Romantik: ein umfassendes Kompendium über die Kunst der Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.12.2004

Unerreicht findet Rezensentin Elke Buhr die Eleganz, mit der Umberto Eco in seinem theoretischen Werk von Kant bis zum australischen Schnabeltier und zurück argumentiert. Wenn der Zeichentheoretiker und Mittelalterspezialist zusammen mit dem Philosophen Girolamo De Michele eine "Geschichte der Schönheit" verfasst, sind auch bei Buhr die Erwartungen entsprechend hoch. Doch diesmal werden sie nicht erfüllt. Buhr gibt sich zwar nicht wirklich enttäuscht, aber dass Eco in seinem "opulenten", mit zahlreichen Abbildungen ausgestatteten Band "ganz brav" die Ideen- und Kunstgeschichte nacherzählt, hat sie schon ein wenig überrascht. "In kurzen, leicht verständlichen Kapiteln" behandelten Eco und De Michele das ästhetische Ideal Griechenlands, die klassischen Vorstellungen von Proportion und Harmonie, die Schönheit in Renaissance, Manierismus und Aufklärung, und so weiter. Am engagiertesten findet Buhr noch Ecos Kapitel über das Mittelalter. Alles in allem scheint die Rezensentin die harte Theorie zu vermissen: "In geradezu vortheoretischer Schlichtheit verzichtet der Text dabei auf alle Finessen, die die Semiotik zum Thema zu bieten hätte". Abschließend vergleicht sie das Buch mit der Einrichtung des Manuals, das es an italienischen Universitäten gibt. Dabei handelt es sich um bessere Schulbücher, die man auswendig lernen muss, um die Prüfungen zu bestehen. Eco und Di Micheles "Geschichte der Schönheit" sei ein solches Manual geworden. Das Gute für Buhr ist dabei: "Wer nicht zur Prüfung muss, der muss es auch nicht durchlesen. Der darf einfach schauen."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Was sich Umberto Eco da geleistet hat, das gehört sich nicht für einen Intellektuellen seines Kalibers, befindet der Rezensent Bazon Brock. Über die Schönheit erfahre man nichts Neues, interessanter findet Brock die Offenbarung von Ecos Schaffensmethode: das "Blättern". Dies erkläre zumindest, wie Ecos schon erschreckend enzyklopädisch anmutendes Wissen zustande komme. Aber zurück zur Schönheit: Die "Geschichte der Schönheit" eröffne Eco mit einem Sammelsurium von Bildern, die ohne jede Rücksicht auf Formate aus ihrem Kontext ausgeschnitten sind (was Brock als eklatante "bildsprachliche Naivität" wertet), und deren Vielfalt dem Leser/Betrachter näher bringen solle, wie verschieden der Schönheitsbegriff verschiedener Epochen doch sei. "Die Einheit in der Vielfalt aufzuspüren", so Eco, sei Sache des Lesers, was der einigermaßen entrüstete Rezensent nur bestätigen kann, schließlich habe das Buch nur "Plaudereien" als Verbindung zwischen den "Zitatschnipseln" zu bieten. Dabei bemühe sich Eco noch nicht einmal, eine Begründung für den offensichtlichen Theoriemangel zu liefern. Sein "Gehampel zwischen Synonymen für das Schöne", das in einer völligen "semantischen Leere" ende, schließe mit dem Fazit, dass "nichts" schön sei, weil ja "alles Mögliche" schön sein könne - subjektiv, versteht sich. Der Rezensent bedankt sich und bleibt allein zurück mit der Frage, wer an solch einer Wirrnis der Beliebigkeit Interesse finden soll?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004

"Eine Geschichte der Schönheit ist erst gelungen", doziert Hans Ulrich Gumbrecht, "wenn sie weniger als dieses Buch vom etablierten Kanon der Kunstwerke abhängt". Sonst könne man nur schwer zwischen einer Geschichte der Kunst und einer der Schönheit unterscheiden. Anregend sei das Buch aber allemal, vor allem durch die Dreifaltigkeit aus historischer Darstellung, Textauszügen und den "vorzüglichen" Reproduktionen von Kunstwerken. Geradezu in Verzückung gerät Gumbrecht bei der Darstellung des Mittelalters, wenn Eco das Schönheitsverständnis der Zeit als Synthese aus "Licht und Farben" erklärt. "Bewundernswert" sei auch, wie Eco die übliche Epochenabfolge durch eine mehrfach "gebrochene Erzählung" ersetzt, wenn er also direkt nach der Antike Nietzsches Erforschung des apollinischen und dionysischen Prinzips folgen lässt. Als letzte der offensichtlich zahlreichen "brillanten" Unterscheidungen des Buches preist der Rezensent die These von den zwei Schönheiten im vergangenen Jahrhundert, der Schönheit des Protests und der des Konsums. Und auch wenn Eco und sein übrigens auf gleichem Niveau schreibender Co-Autor Girolamo de Michele manchmal "fragmentarisch" bleiben, findet das Gumbrecht "eigentlich ebenso interessant" wie jene Stellen, "wo eine neue Geschichte der Schönheit schon gelungen ist".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Muss man sich Umberto Eco nun als modernen Paris vorstellen, fragt Ralf Berhorst zu Beginn seiner Besprechung von Ecos "Geschichte der Schönheit", der durch die Kunstgeschichte spaziert und den Schönsten huldigt? Die Sache verhält sich völlig anders, versichert Berhorst kurz darauf, Eco veranstalte keinen Schönheitswettbewerb, sondern demonstriere bloß die Relativität aller Schönheitsideale. Vollständig kann so ein Gang durch die Geschichte der Schönheit natürlich nie sein, meint der Rezensent, dafür gebe aber Eco nie seinen Anspruch preis, Malerei, Dichtung und Ästhetik zu analysieren. Insofern sei dies nicht nur eine illustrierte "Geschichte der Schönheit", sondern zugleich auch eine Geschichte der "Darstellung des Schönen" beziehungsweise der schönen Darstellung. Eco und sein Co-Autor Girolamo de Michele beweisen dabei einen mächtigen Theoriehunger, konstatiert Berhorst: Sie verfolgen die Theorie des Schönen von der Antike bis heute, erweitern im 19. Jahrhundert auch ihr Blickfeld hin auf Architektur, Technik, Kunsthandwerk und müssen dennoch vor der Vielfältig- oder Beliebigkeit der Stile und Moden heute kapitulieren. Es gelingt Eco auf knappe, präzise und brillante Weise die jeweiligen Schönheitstheorien auf den Punkt zu bringen, resümiert Berhorst, außerdem gefalle der Band durch (farben)prächtige Abbildungen und zahlreiche Quellentexte.
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