Artur Becker

Wodka und Messer

Lied vom Ertrinken. Roman
Cover: Wodka und Messer
Weissbooks, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783940888280
Gebunden, 472 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Kuba Dernicki ist ein glücklicher Mensch. Er hat Arbeit und Familie und lebt seit vielen Jahren im Paradies, in Deutschland. Doch eines Tages treibt ihn eine starke Sehnsucht zurück nach Polen, in die alte Heimat, an die Stätten seiner Kindheit, an den Dadajsee. In eine wunderschöne Landschaft, bevölkert von überaus eigenwilligen Menschen, die mit List, Humor und Wodka überleben. Und die sich Geschichten erzählen, in denen die Toten, auch wenn sie nicht katholisch sind, wiederauferstehen. Wie Marta, Kubas junge Geliebte, die vor vielen Jahren auf der Flucht vor kommunistischen Häschern im eiskalten Dadajsee ertrunken ist und die in der Hoteldirektorin Justyna Star (einer Doppelgängerin?) weiter lebt, schön und begehrlich, wie damals. Kein Wunder, daß Kuba sich in Justyna verliebt und dass von nun an ein ganzes Dorf verrückt spielt, der Bürgermeister Krol wie der alte Pfarrer Kazimierz, die einäugige Tante Ala wie Wojtek, ihr Galan.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2009

Rezensentin Beatrix Langner freut sich, dass der aus Polen kommende, in Niedersachsen lebende Autor Artur Becker mit diesem Buch "zu seinem Kammerton zurückgefunden" hat. Trotzdem ist sie nicht richtig zufrieden mit dem Roman - und versucht in ihrer Rezension eher zögernd zu ergründen, warum. Vielleicht liegt ein Problem darin, dass die Masuren-Landschaft, in der die Geschichte angesiedelt ist, zu einem "übersignifikanten Erzählraum" geraten ist. Vielleicht kann man es auch einfach Überfrachtung nennen. Becker hat die drei polnischen Plagen - "Totalitarismus, Katholizismus und Alkoholismus" - allesamt "in eine einzige Handlung" mit üppigem Personal gepackt. Die rechte Harmonie kann dieser "Gesang von Liebe, Tod und Verrat" für sie trotzdem nicht entfalten. Es fehlt ihrer Meinung nach schlichtweg an Spannung.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.11.2008

Eher vernichtend fällt das Urteil von Rezensent Christoph Keller zu Artur Beckers neuem Roman aus. Auch in diesem Buch gehe es wieder um Exil und Heimkehr, lasse Becker seinen Romanhelden dem Ruf einer toten Jugendfreundin folgen und aus Kanada nach Polen zurückkehren. Doch schon Beckers Protagonist ist für den Geschmack des Rezensenten ein wenig überorchestriert: er hat zwei Nabel, den eigenen und den seines Zwilllingsbruder, der als toter Fötus in seinem Bauch wie eine Mumie existierte. Auch das übrige Personal des Romans gleicht aus Sicht Kellers eher einem Figurenkabinett, wenngleich es zunächst ?eine reiche Handlung im Dienste eines magischen Realismus der slawischen Art? in Aussicht stelle. Doch wenn es ernst werde, betränken sich die Helden und schwafelten das Buch um den Plot. Zwar gibt es, wie der Rezensent strafmildernd anrechnet, immer wieder lebhafte und unterhaltende Strecken. Insgesamt bleibt der Roman für ihn eine Enttäuschung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Diesem Autor verzeiht Rezensent Martin Halter eine ganze Menge. Mitleid mit einem polnischen Spätaussiedler, einem postkommunistischem Melancholiker, wie Halter Artur Becker nennt, spielt da allerdings keine Rolle. Es ist vielmehr so, dass Halter auf magischen Realismus aus Masuren fliegt und sprechende Karpfen und Schwarzbrenner zu seinen Freunden zählt. Schön und derb oder auch schön derb erscheint Halter, was Becker da über Freund- und Feindschaft, über Verbrechen und Sühne vor dem Prospekt der alten, nunmehr multipel bedrohten Heimat erzählt. Dass Becker sich anschickt, wie Halter mit Blick auf den Umfang des Romans und den Verlagswechsel (zu Weissbooks) schließt, Lenz und Grass zu beerben, das allerdings will er ihm nicht ganz abnehmen. Dafür kippt Halter die poetische Kraftstrotzerei und abdominale Pathetik des Autors zu häufig ab ins stilistisch Unbeholfene, Nachlässige, stören den Rezensenten "hölzerne" Dialoge, "endlose" Wiederholungen. Becker - ein literarischer "Rumpelfüßler", wenn auch ein höchst liebenswerter, findet Halter.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008

Ausflüge in den "magischen Realismus" haben Burkhard Müller die Lektüre von Artur Beckers Roman "Wodka und Messer" etwas vergällt, was er umso bedauerlicher findet, als dass er in dem Buch durchaus "Qualitäten" entdeckt. Der deutsch-polnische Autor schildert darin die Reise eines Exilpolen in die masurische Gegend, in der er seine Jugend verlebt hat, wo ihn allerlei dunkle Geheimnisse der Vergangenheit heimsuchen, erklärt der Rezensent. Geheimnisse fährt dieser Roman überhaupt viele auf, allerdings haben sie Müller nach eigenen Angaben ziemlich kalt gelassen. Während die Hauptfiguren für ihn keine rechte Kontur gewinnen, kann sich der Rezensent dafür in der Geschichte um eine ertrunkene Geliebte, die vom Vater ermordete Mutter und einen Jugendfreund, der bei einem Bankraub getötet worden sein soll, mehr für die Nebenfiguren erwärmen. Und vor allem findet er, dass Becker die "auseinanderdriftende Gesellschaft" in Polen sehr eindrücklich schildert, weshalb er sich wünscht, der Autor möge bei seinem nächsten Buch für sein Wissen und Können, das Müller ihm zweifellos zuerkennt, einen "entspannteren Rahmen finden".
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