Dorothea Dieckmann

Harzreise

Eine Erzählung
Cover: Harzreise
Weissbooks, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783940888310
Gebunden, 109 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Ich schaue auf das Bild, das ich zusammen mit der roten Kladde aus dem Süden mitgebracht habe. In seiner Mitte, einem dunklen runden Fleck von der Größe eines Kopfes, begegne ich meinem Gesicht. Ich biege den Arm der Lampe herunter, bis das Glas seine Reflexe verliert und die Erscheinung im Baum verschwindet. Der Vater ist tot. In seinem Nachlass eine Kladde mit Aufzeichnungen, in seinem Zimmer ein Bild: Deutsche Landschaft um 1933, gemalt von Alfred Loges. Die rote Kladde wird zum roten Faden, das Bild zum Anlass einer Entdeckungsreise. Woher kommt es, wovon erzählt es? Was steckt hinter den Legenden aus deutschen Zeiten?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2009

Dorothea Dieckmanns "Harzreise" hat Rezensentin Beate Tröger sehr beeindruckt. Die Erzählung der Essayistin und Romanautorin betrachtet sie als "familiäre Spurensuche", als Versuch der Erzählerin, die Geschichte und Vergangenheit ihres verstorbenen Vaters zu erforschen und zu verstehen. Besonders geht Tröger auf die literaturgeschichtlichen Kontexte ein, in die Dieckmann ihre Erzählung stellt: Heines "Harzreise" aus den "Reisebildern" und Kafkas Türhüterparabel. Eine wichtige Rolle für die Erinnerung der Erzählerin an ihren Vater sieht sie zudem in einem Bild des Landschaftsmalers Alfred Loges. Der Text lädt sich in ihren Augen einiges an "intellektuellem und emotionalem Gewicht" auf, doch dank der literarischen Kunstgriffe, die die Autorin umsichtig und klug einsetzt, bricht er nach Ansicht Trögers nie darunter zusammen. So gelingt es Dieckmann in ihren Augen, dem Vater ein "würdiges Gedächtnis" zu schaffen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2008

Ein "kleines Meisterwerk" annonciert Rezensent Martin Zingg, der von den knapp hundert Seiten dieser kleinen Erzählung keine einzige missen möchte. Seinen Informationen zufolge handelt es sich um die Spurensuche einer Tochter, die an der Seite einer neuen Liebe der Geschichte ihres gerade verstorbenen Vaters nachgeht. Eine wichtige Rolle spiele dabei eine Pastellzeichnung und ein Notizbuch aus dem Besitz des Vaters, die Tochter und Gefährten auf ihrer Recherche begleiten und aus deren Material die Ich-Erzählerin die Herkunft des Vaters und Aspekte seines Lebens zu rekonstruieren versucht. Fasziniert folgt der Rezensent den Schilderungen dieser Autorin, deren Ich-Erzählerin, wie er schreibt, mit ihrer Sprache immer um Justierung des Abstands zum Erzählten bemüht ist, wodurch für ihn beim Lesen einmal "leicht flirrende", dann wieder "randscharfe" Bilder entstehen, die "immer wieder anderes zu erkennen geben", aber die Geschichten nie zu Ende erzählen würden. Dem beeindruckten Rezensenten wird so durch den Text zu verstehen gegeben, dass hier ein Erinnerungsprozess erzählt wird, und zwar "als ein eminent sprachlicher Vorgang".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.12.2008

Eine sichere Bank nennt Kristina Maidt-Zinke den Titel des Buches. In den Genuss von Goethe, Heine, Brockengespenstern und Tannen kommt die Rezensentin bei dieser Lektüre allerdings nicht oder nicht ganz. Zwar attestiert sie der Autorin Dorothea Dieckmann, die sich auf Spurensuche in Richtung Familienvergangenheit begibt, Schriftstellerglück, schließlich hat sie mit den Aufzeichnungen des Vaters, einem kleinen Gemälde und der Ortsvorgabe "Harz" genug Material und Anreiz für ihr Vorhaben. Und die vorgenommene Erkundung von Gemälde und Familienrätsel erscheint der Rezensentin auch gewichtig und anschaulich, ja poetisch. Was sie jedoch vermisst, ist Lebendigkeit, vielleicht in Form von Irritation. Etwas, das die Rezensentin wirklich neugierig machen könnte auf diese Vatergeschichte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Rezensent Anton Thuswaldner schätzt Dorothea Dieckmann als intelligente Autorin, und in dieser dichten Erzählung hat er sie auch als risikobereit kennen gelernt: "Sie zeigt keine Angst vor Pathos und schreckt nicht davor zurück, in Berührung mit der Romantik zu kommen." In der Erzählung geht es um eine Tochter, die sich anhand eines vom verstorbenen Vater geerbten Bildes, das einen Ausschnitt des Harzes zeigt, auf Spurensuche begibt und dabei weit zurückgeht in die frühe Kindheit. Das Bild hält die Erzählerin zugleich auf Distanz und fungiert als Träger von Zeitgeschichte, an dem sich politische und persönliche Schicksale ablesen lassen. Thuswaldner hat diese konzentrierte Prosa gefallen.
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