Arthur, Ende 40, stammt aus Masuren und lebt als Historiker und Schriftsteller in Bremen. Für Recherchen besucht er seinen Onkel Stanisław in Kalifornien und erfährt von dem ehemaligen Stalinisten, dass er 1945 freiheitshungrige Menschen gefoltert hat, darunter auch Arthurs polnischen Großvater. Schockiert beschließt Arthur sein nächstes Buch ganz den Schicksalen seiner Großeltern zu widmen, die damals in Masuren ein neues Leben begonnen haben. Und so gerät er rasch in die Zeit unmittelbar nach Kriegsende, zu entsetzlichen Entschlüssen und Taten, die über Leben und Tod entscheiden. Arthur bedrängen die immer gleichen Fragen: Wie konnten all die Verbrechen geschehen? Woher kommt das Böse? Was ist Freiheit - und was ihr Preis?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2020
Rezensentin Marta Kijowska hält Artur Beckers neuen Roman für seinen eindruckvollsten. Wie der Autor hier anhand einer mit autobiografischen Zügen ausgestatteten Figur - eines Historikers und Masuren-Fachmannes in der Lebenskrise, der nach dem Tod der Schwester von Bremen in die alte Heimat zurückkehrt - seine Erinnerungen und die Geschichte Polens von 1945 bis heute rekapitulieren lässt, findet die Rezensentin stark. So komplex die Gliederung des Textes ist, so vielschichtig ist das Bild Nachkriegspolens, lobt Kijowska. Beckers mit Adorno, Horkheimer und Co. garnierten Reflexionen über Schuld, das Böse, Täter und Opfer findet sie zwar mitunter allzu geschliffen und detailliert, doch seinen Humor sowie die umgangssprachlichen Passagen und Naturbeschreibungen im Buch betören Kijowska dafür umso mehr.
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