Arbogast Schmitt

Wie aufgeklärt ist die Vernunft der Aufklärung?

Eine Kritik aus aristotelischer Sicht
Cover: Wie aufgeklärt ist die Vernunft der Aufklärung?
C. Winter Universitätsverlag, Heidelberg 2016
ISBN 9783825364618
Gebunden, 472 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

In der Auseinandersetzung um das Verhältnis der westlichen Moderne zu anderen Kulturen, Gesellschaften, Religionen spielt die Berufung auf die Aufklärung eine wichtige, vielleicht die wichtigste Rolle. Die Befreiung von der Bevormundung durch religiöse und politisch-gesellschaftliche Autoritäten durch die Entdeckung der Selbstständigkeit der jedem zur Verfügung stehenden eigenen Vernunft gilt vielen als ein erreichtes kulturelles Niveau, das nicht mehr unterschritten werden dürfe. Diese Unterscheidung zwischen einem Zustand der Aufgeklärtheit und einem des Nicht-aufgeklärt-Seins brachte und bringt allerdings viele Verständnisschwierigkeiten zwischen den so getrennten Seiten mit sich. Die Vernunft der Aufklärung kann aber auch nicht einfach als die Vernunft überhaupt verstanden werden, die die westliche Moderne von allen früheren Epochen und allem gegenwärtig Fremden unterscheidet. Auch diese Vernunft hat ihre historischen Bedingungen und ihre Grenzen. Es gab auch in anderen Zeiten und Regionen ein Nachdenken über die Vernunft 'selbst' und ihr Können. Das Anliegen, dem sich dieses Buch stellt, ist, am Beispiel von Aristoteles zu belegen, dass es sich lohnt, auch scheinbar 'überwundene' Konzepte als Partner einer verbindlichen Diskussion zu betrachten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2016

Keine leichte Kost, kann man vermuten, wenn Rezensent Manfred Geier von den "verschlungenen Wegen" des emeritierten Philosophieprofessors Arbogast Schmitt spricht, die durch die Diskussion der Aufklärer über den Vernunftbegriff des Aristoteles führen. Schmitt suchte nach Unterschieden in der Auffassung von Vernunft und wurde auch fündig, lesen wir: Laut Schmitt liegt der grundsätzliche Unterschied in den verschiedenen Konzeptionen des "Wegs von der Wahrnehmung zum Wissen". Schmitt zieht die "präsentische" Idee des antiken Philophen dem Denken als "Re-Präsentation" der Dinge in der späteren Aufklärung vor, erklärt der Rezensent, weil er im antiken Vernunftbegriff eine Brücke sieht, die unterschiedliche Kulturen leichter zusammenführen kann. Geier ist bei allem Respekt "nicht davon überzeugt", bekennt er. Denn was, wenn andere eben diesen Vernunftbegriff ablehnen?

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