Anna Achmatowa

Ich lebe aus dem Monde, du aus der Sonne

Liebesgedichte
Cover: Ich lebe aus dem Monde, du aus der Sonne
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783518410820
Gebunden, 117 Seiten, 16,36 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen und mit einem Nachwort versehe von Olaf Irlenkäuser. Hundert Gedichte. Liebe, Trennung, Eifersucht sind die Themen dieser Gedichte, die wie beiläufig gefallene Sätze daherkommen und zugleich von großer Aufmerksamkeit gegenüber den winzigen Details des Alltags zeugen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2000

Eine Sammlung von hundert Liebesgedichten der Achmatowa lässt Ilma Rakusa zunächst spekulieren, welche biografische Züge sie alle denn trügen. Aber schnell verwirft sie, Brodsky zitierend, den Gedanken, dass die drei Ehen und mehrere Liebschaften der russischen Dichterin wirklich Anlass für die Poesie gewesen sind. Mit vielen Verszitaten begründet Rakusa dann, dass den Gedichten der Achmatowa vielmehr dieselbe Sehnsucht nach Leidenschaft und Unendlichkeit zugrunde liegen, die hier jedoch in strenge Maße und Rythmen gebannt wird. Die Rezensentin vergleich die immer verhalten, "elegisch" und oft spöttisch distanziert bleibende Dichterin mit ihrer "Schwester und Rivalin" Marina Zwetajewa, deren Lyrik emotional und feurig ist. Bei Achmatowa dagegen herrschen Wehmut, Trauer und Nostalgie. Höchst lobend erwähnt Ilma Rakusa den Übersetzer Alexander Nitzberg, der für diese Ausgabe die Gedichte "mit seinen konzisen Bildern und diskreten Reimen" in eine neue deutschsprachige Form gebracht hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.09.2000

Insgesamt scheint der Rezensent Jürgen Verdovsky ganz angetan von dieser Gedichtsammlung Achmatowas, denn "mit Liebesgedichten schreibt sie sich in die erste Reihe der russischen Moderne". Er rekonstruiert ihre Liebschaften und zitiert aus den Gedichten, mit denen sich Achmatowa an diesen abarbeitete. Trotzdem hat er einiges an der Ausgabe auszusetzen: so etwa, dass nicht die gesamte "Heckenrosen"-Folge - ihrer Liebe zu Isaiah Berlin gewidmet - in dem Band enthalten ist. Auch das Nachwort des Herausgebers Olaf Irlenkäuser gefällt Verdofsky nicht. Er kritisiert die mangelnde Präzision. Überzeugend findet er dagegen die Übersetzung des jungen Lyrikers Alexander Nitzberg.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2000

Obwohl es sich bei Felix Philipp Ingold allem Anschein nach um einen aufrichtigen Bewunderer Anna Achmatowas handelt, ist seine Rezension dieser Liebesgedichte nicht frei von Kritik. Auffallend findet er ihre Attitüde der Überlegenheit. Sie, die sich als Glücksbringerin ihrer Geliebten sieht, degradiere "jeden Mann zu einem schwächlichen Jedermann", so Ingold. Wirkliche Liebe scheint ihm eher bei unerreichbaren, ja gar toten Männern aufzuflackern. Letztlich könne aber kein Mann, keine Liebe ernsthaft mit dem Glück, dass sie beim Dichten empfindet, konkurrieren. Ingold scheint von Achmatowas Schwanken zwischen "Verzagtheit und Verachtung" nicht wirklich begeistert, bisweilen gleiten die Gedichte seiner Meinung nach gar in den Kitsch ab, was durch die Übersetzung noch verstärkt werde.

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