Vor zehn Jahren wurde der erste BSE-Fall in Deutschland öffentlich. Aus diesem Anlass widmet sich Anita Idel den Rindern. Die Kuh als Klimakiller: Diese griffige Alliteration gehört längst zum allgemeinen Klimawissen, vermutlich, weil es einleuchtend und lustig klingt, dass Kühe rülpsen und diese Rülpser das Klima gefährden. Denn dabei entweicht Methan, und das ist 25 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Rinder tragen also erheblich zur globalen Erderwärmung bei, so die Schlussfolgerung. Und so wird das Abgas aus der Kuh zum Argument zur Entlastung der persönlichen Klimabilanz: Wenn Kühe so gefährlich sind fürs Klima, kann ja jede und jeder ruhig weiter Autofahren! Aber das ist nur ein Halbwissen, das von den eigentlichen Problemverursachern ablenkt, erklärt die Berliner Tierärztin Anita Idel in ihrem Buch. Darin zeigt sie, dass nicht die Kuh das Weltklima gefährdet, sondern die industrialisierte Landwirtschaft.
Kühe sind Klimakiller, behauptete Jeremy Rifkin vor zwanzig Jahren. Stimmt nicht, lernte jetzt Rezensentin Annette Jensen aus Anita Idels "überzeugendem Gegenbuch": Kühe sind nämlich, vorausgesetzt, sie dürfen draußen grasen, Pfleger des Grünlands, das wiederum tonnenweise schädliches Kohlendioxid bindet. Klimakiller ist die Agroindustrie, die Kühe in Ställe sperrt. Gut gefallen hat Jensen auch der Aufbau des Buchs, das nicht nur theoretisch argumentiert, sondern auch historische und zeitgenössische Beispiele aufführt: So werden im zweiten Teil "konkrete" Menschen und ihre Tiere vorstellt: Bauern, aber auch Städter, die einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut haben. Jensen scheint daraus einiges gelernt zu haben.
Man sagt, die Kuh sei ein Klimakiller, weil sie beim Rülpsen Methangas ausstößt, das 25 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Stimmt gar nicht, hat Rezensentin Tanja Busse aus Anita Idels Buch gelernt. Der größte Klimakiller ist das in Kunstdünger enthaltene Lachgas, das 296 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Mit Kunstdünger werden unfruchtbare Böden ertragreich gemacht, auch ganz schlecht fürs Klima. Die grasende Kuh schafft das auch, sie "verdient unseren Respekt", fordert die Rezensentin.
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