Andrzej Stasiuk

Hinter der Blechwand

Roman
Cover: Hinter der Blechwand
Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783518422540
Gebunden, 349 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. In einem alten Lieferwagen klappern Wladek und Pawel die Märkte und Basare Südosteuropas ab. Bis vor kurzem sind sie ihre Second-Hand-Klamotten aus "Paris-London-New York" ohne Probleme losgeworden. Doch neuerdings tauchen zwischen Blech, Beton und schmutzigen Glasscheiben farbenfrohe Häuserblocks auf: malerische Hieroglyphen preisen Textilien aus China zu Dumpingpreisen an. Als Wladek sich in die Kartenverkäuferin eines slowakischen Wanderrummels verliebt, werden die beiden Freunde unversehens in das kriminelle Treiben von Menschenschmugglern hineingezogen. Was wie eine melancholisch-meditative road novel begann, entwickelt sich zu einer rasanten Verfolgungsgeschichte, in der es nicht mehr um gefälschte chinesische Westwaren, sondern um Leben und Tod geht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2012

Die handfeste Geschichte, die Andrzej Stasiuk in seinem neuen Roman "Hinter der Blechwand" erzählt, hätte es nach Meinung des Rezensenten Nico Bleutge nicht gebraucht. Eigentlich stört sie ihn sogar, denn viel lieber hätte er sich in dieser Roadnovel ganz von der "Bewegung und Assoziation" leiten lassen. Denn das Reisen mit den beiden Trödelhändlern Pawel und Wladek durch die osteuropäische Tristesse, von einem Basar zum nächsten, das hat Bleutge geliebt. Durch Industriebrachen, karge Landschaften und Berge von Polyester-Plunder, der immer wieder weiter verkauft wird. Was dem Rezensenten dabei ebenso imponiert wie Stasiuks genaue Beobachtungen und seine tiefenscharfen Bilder, ist seine Erzählstrategie: aus der zutiefst unzuverlässigen Perspektive von Pawel, der die meisten Geschichten auch nur von Wladek hat: Second-Hand eben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2011

Einmal mehr gelingt es Andrzej Stasiuk den Leser über dreihundert Seiten in den Bann zu ziehen, lobt Rezensentin Judith Leister. Und das, so teilt die Rezensentin mit, obwohl in "Hinter der Blechwand" nicht allzu viel passiert und das Personal - osteuropäische Kleinhändler - aus anderen Büchern Stasiuks bekannt ist. Leister folgt hier den beiden polnischen, desillusionierten Kleinunternehmern Wladek und Pawel auf eine Handelsreise durch das zerfallende Osteuropa und lauscht nicht nur deren unermüdlicher Kritik am westlichen Konsumismus, sondern gewinnt auch drastische Einblicke in das tragische Nebeneinander von "ungezähmtem globalen Handel und allgemeiner Verwahrlosung". Neben einigen brutalen Erlebnissen - ein Menschenhändler wird etwa von halbverhungerten Schweinen gefressen - liest die Kritikerin auch eine "zart" angedeutete Liebesgeschichte. Von Stasiuks genauer und oft reflexiver Beobachtungsgabe kann die Rezensentin auch nach diesem Roman nicht genug bekommen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.11.2011

Wie im Fahrerhaus eines über Osteuropas Straßen holpernden Lieferwagen fühlte sich Rezensentin Katarina Bader bei Lektüre dieses neuen Buchs von Andrzej Stasiuk, eingeklemmt zwischen Wladek und Pawel, die auf den Märkten der polnischen Provinz ihre Altkleiderbestände als letzten westeuropäischen Schrei verticken. Unwohl hat sie sich dabei nicht gefühlt, im Gegenteil Stasiuks Prosa reißt sie immer noch hin, seine "rhythmische, poetische Sprache". Allerdings macht sie auch Vorbehalte geltend. Dass sich das Bild polnischer Provinzhändlern mit ihren berühmten karierten Platiktaschen so gar nicht geändert haben soll in den letzten zwanzig Jahren, mag Bader nicht ganz glauben. Außerdem fällt ihr angesichts der etwas an den Haaren herbeigezogenen Geschichte auf, dass Stasiuk ein "brillanter Beobachter und ein magischer Erzähler, aber ein mieser Erfinder" ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2011

Bärenkraft und Sensibilität zeichnen Andrzej Stasiuk aus, meint Andreas Breitenstein und denkt dabei auch an die Art, mit der uns dieser Autor immer wieder Nachricht aus den östlichen Randzonen Europas bringt, ob als Reporter oder wie hier als Romancier. Stasiuks Held lebt von den Resten der Zivilisation, selbst am Abgrund des Daseins, ein Hasardeur mit letzten Idealen, wie Breitenstein feststellt, sympathisch, aber verloren. Was er im Buch vermisst, ist eine konsequente Dramaturgie. Immer wieder fühlt er sich von wuchtigen Bildern und der sich durch den Text ziehenden Schwermut überwältigt, vom Plot abgelenkt. Als fordernd, doch auch rauschhaft hat er das Buch empfunden.

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