Jens Mühling erzählt vom Meer in unserer Mitte - und darüber, dass eigentlich jede Grenze eine fließende ist. Orthodoxe Russen, Georgier und Bulgaren treffen im Schwarzmeerraum auf jüdische Chassiden und Karäer, rumänische Katholiken auf ukrainische Altgläubige, muslimische Türken, Krimtataren und Abchasen auf alevitische Kurden und Zaza. Wirtschaftliche Interessen verbinden und trennen Schwarzmeeranrainer, politische Differenzen, unterschiedliche Geschichtsbilder und abweichende Zukunftsvorstellungen prägen ihren Blick auf das Gewässer, an dessen Ufern sie sich begegnen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.05.2020
Rezensentin Sarah Murrenhoff folgt Jens Mühling gern auf seiner Reise durch die Anrainerstaaten des Schwarzen Meers. Voller Neugier und Offenheit bewege sich der Autor durch die Region, begegne den Menschen mit Respekt und Abenteuerlust, so dass er nicht nur auf verwirrende Minderheiten wie georgische Türken in Russland szößt, sondern auch auf Diebes- und Schmugglerbanden. Landschaftsbeschreibungen, Kunstbetrachtungen und Dialog verbinden sich für Murrenhoff zu einem intensiven Leserlebnis, und ein Faible für poetische Pointen schreibt sie dem Autor ebenfalls gut.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2020
Ein Hauptmotiv dieses Buches ist die "Verpflanzung", findet Rezensent Hans Gasser. Dabei gehe es nicht nur um alte Bäume, die von einem Oligarchen tatsächlich nach einer Reise in großen Schiffen über das Meer - in seinen Garten verpflanzt werden. Sondern die Rede ist auch immer wieder von Menschen, deren Vorfahren oder sie selbst nicht leben, wo sie geboren wurden. Die Schwarzmeerküste ist voller Ethnien, denen dies widerfahren ist, und so trifft Mühling auf Mescheten, Lasen und "pontische Griechen, Kosaken und Tartaren". Dass er russisch spricht, hat ihm die Kontaktaufnahme mit ihnen allen erleichtert und so führen seine Begegnungen nicht nur zu unzähligen Anekdoten wie der obigen, so der gut unterhaltene Kritiker. Vielmehr hört der Autor nicht selten Auffassungen von Geschichten, die immer mal eher der eigenen Ethnie den Vorrang einräumten als dass sie historisch unbedingt akkurat seien; so höre er etwa von Russen auf der soeben besetzten Krim, dass selbige immer schon russisch gewesen sei. Mühling korrigiere seine Gesprächspartner jedoch nicht, sondern er zeige Stimmungen - und das hat Gasser gut gefallen.
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