Mit Fotos von Birgit Bezelt. Beslan war Untergang. Am 4. September 2004 starben mehr als 200 Kinder und vermutlich auch mehr als 100 Erwachsene bei einem Terroranschlag auf die Schule Nummer 1 in der nordossetischen Kleinstadt Beslan. Das letzte Tabu - die in jeder Kultur und Religion verankerte Unantastbarkeit von Kindern - war gebrochen worden. Das Böse war nach Beslan gekommen und hatte alles vernichtet, woran Menschen glauben müssen, wenn sie leben wollen: Menschlichkeit, Mitleid, Achtung, Demut. Eine ergreifende und zukunftsweisende Begegnung mit Überlebenden und eine Hommage an diejenigen, für die es keine Hilfe mehr gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 31.08.2005
Nino Ketschagmadse ist es unmöglich, sich dem Schicksal der Opfer und Hinterbliebenen zu entziehen, die Andrea Strunk in "Beslan, Requiem" porträtiert. Die Journalistin bereist den Kaukasus seit Jahren und dokumentiert nun, wie die Menschen dort mit der Geiselnahme vom September 2004 umgehen und wie es dazu kommen konnte - "authentisch und ohne nach Entschuldigungen zu suchen", lobt der Rezensent. Dabei bleibt sie nicht in der Gegenwart stehen, sondern blickt zurück auf die Stalin-Ära und beschäftigt sich eingehend mit gesellschaftlichen und politischen Problemen Tschetscheniens. Strunks Gesprächprotokolle und politische Schilderungen beklemmen Ketschagmadse und zeichnen sich auf der Sachebene durch "eine gewaltige Sprache und eine hervorragende Beobachtungsgabe" aus, was durch das umfangreiche Hintergrundwissen der Autorin noch verstärkt werde, lesen wir. Besonders interessant fand Ketschagmadse Strunks Vorwürfe gegen die russische Regierung, deren Organe seiner Meinung nach beim Einsatz in Beslan gegen die Genfer Konvention verstoßen haben. Und er resümiert bewegt: Ein Requiem, das zugleich "unter die Haut geht und reflektiert".
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