Andre Kubiczek

Das fabelhafte Jahr der Anarchie

Roman
Cover: Das fabelhafte Jahr der Anarchie
Rowohlt Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783871347740
Gebunden, 272 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

April 1990, die DDR löst sich auf. Die Älteren sind voll Sorge, die Jungen aber leben die Liebe und die Freiheit, genießen den freundlichen Ausnahmezustand. Im März fiel die Entscheidung für die Wiedervereinigung, im Juli wird die Währungsreform kommen. Die Zukunft mit ihren bürgerlichen Kategorien ist in diesen Tagen weiter entfernt als das Pleistozän. Ulrike und Andreas, ein junges Paar aus Potsdam, kehren der Stadt enttäuscht vom Ausgang der ersten freien Wahlen den Rücken und bauen in einem kleinen Dorf in der Niederlausitz an ihrem privaten Idyll: Sie renovieren, legen einen Garten an, schließen Freundschaft mit dem Schäfer und einem fahnenflüchtigen sowjetischen Soldaten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.12.2014

Im Jahr 1990, dieser eigentümlichen "Verschnaufpause zwischen Sozialismus und Kapitalismus", siedelt André Kubiczek seinen Roman über den Punk Andreas, genannt Ändie, und seine Freundin Ulrike an, die sich aus den Wirren des Nachwendeberlins in die brandenburgische Idylle Neu Buckows absetzen, berichtet Maja Beckers. Die noch immer aktuelle Utopie von der Stadtflucht findet die Rezensentin darin gut eingefangen, insbesondere in den Dialogen, die "mit angenehm ironiefreiem Witz und der richtigen Dosis Dialekt" die spezifische Zeit und den spezifischen Ort wiederaufleben lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2014

Bisschen mehr Ironie wäre Jan Wiele lieber gewesen. Dann hätte er Andre Kubiczeks ostalgische Aussteigergeschichte aus anno 1990 besser verdauen können. So aber fühlt er sich zwar ganz ordentlich unterhalten, fragt sich jedoch dauernd, ob das auch okay ist angesichts der Nichtigkeiten, die hier erzählt werden. Das Warten aufs Eierlegen der Hofhühner scheint noch einer der spannenderen Momente für die Landliebenden im Buch zu sein. Von der Stadt aufs Land - dem Thema hat der Autor auch mit seiner DDR-Komponente nicht viel hinzuzufügen, klagt Wiele. Popliterarischer Markenfetischismus a la Dosenfleisch und Club-Kippen scheint Wiele nicht genug.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014

Viel zu schnell vorbei ist Andre Kubiczeks wunderbarer Roman "Das fabelhafte Jahr der Anarchie" für Rezensentin Ina Hartwig. Gerne wäre sie noch ein bisschen bei der illustren Runde geblieben, die sich 1990 auf dem Brandenburger Bauernhof des Ehepaares Ulrike und Andreas einfindet. In deren Mittelpunkt, so die Kritikerin, steht Hermann Schmidt, ein russischer Soldat, der sich nach der Wende auf dem Hof versteckt, zu überleben versucht, schließlich entdeckt wird und dann zum liebenswürdigen und hilfreichen Freund der Familie wird, die sich mittlerweile um den Hausbesetzer Arndt und den Ost-Hippie Ingo erweitert hat. Hartwig lobt Kubiczeks meisterhaft "schnoddrige" Dialoge, fühlt sich bestens unterhalten, ist vor allem aber angetan von der politischen Botschaft dieser melancholischen Parabel über Verlust.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.08.2014

Etwas altmodisch in der Formulierung und auch etwas langweilig, was das Geschehen betrifft, findet Ulrich Seidler André Kubiczeks Roman über einen Haufen Aussteiger im Osten Deutschlands anno 1990 und ihren Weg in die totale Ereignislosigkeit. Dass die für den Leser hautnah erfahrbare Wiederholung hier Teil der beschriebenen Sache ist, weiß Seidler zwar, mitunter geht es ihm im Text aber allzu behäbig zu, wenn die Protagonisten das x-te Bier am Lagerfeuer köpfen. Das Ausstellen des Scheiterns privater Utopien bietet für Seidler dennoch genügend Material zum Nachsinnen.
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