Eine Kindheit im alten Schwabing, das hört sich nach Idylle an, insbesondere wenn man in familiärer Geborgenheit aufwächst. Die Idylle gab es: das Stadtviertel als Abenteuerspielplatz, der abendliche Auslauf, wenn man den Auftrag bekam, ein Bier für den Vater zu holen, der Familienpfiff. Doch es kamen die Nächte voller Todesangst im Luftschutzkeller, der Anblick der Ruinen, wenn man wieder herausgekrochen war, dann die Evakuierung aufs Land, wo die Stadtleute nicht willkommen waren, wo Außenseiter schikaniert oder auch einfach nach Strich und Faden verprügelt wurden. Der Illustrator Ali Mitgutsch, Jahrgang 1935, ist ein Kriegskind. Damals hat ihm die Fantasie geholfen, später kam der Humor dazu. Wie in einem Wimmelbild sind in diesem unsentimentalen Lebensrückblick viele kleine traurige und komische Geschichten zu einem großen Bild vereint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2015
Die pünktlich zum 80. Geburtstag des Wimmelbuchvaters Ali Mitgutsch erscheinenden Lebenerinnerungen des Illustrators (verfasst unter Mithilfe von Ingmar Gregorzewski) schätzt Rezensent Tilman Spreckelsen wegen ihrer plastischen, detailreichen Schilderungen einer Münchener Kindheit im Krieg. Souverän komponiert und fesselnd transportiert der Text für Spreckelsen die Unsicherheit, aber auch das Vertrauen in die Familie. Auch wenn der Rezensent in den Anekdoten kaum Hinweise auf die spätere künstlerische Entwicklung des Autors entdecken kann, zu den heiteren Wimmelbildern scheinen ihm die schrecklichen Bilder des Krieges der größtmögliche Kontrast zu sein.
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