Das Kieler Villenviertel Düsternbrook ist die ganze Welt. Hier wächst Axel behütet auf und fühlt sich doch oft fremd. Als die populäre Theorie vom Wirken Außerirdischer die Stadt erreicht, scheint sie für Axel viele Merkwürdigkeiten zu erklären. Mit dem rätselhaften Verschwinden einiger Jungen wird die Heimat vollends unheimlich und der Wunsch auszubrechen übermächtig. Ein Familien-, Adoleszenz- und Heimatroman, der die bürgerliche Welt als schützend und bedroht, liebevoll und düster darstellt.
Rezensent Samuel Hamen nennt das Romandebüt von Tatort-Kommissar Axel Milberg ein "Kieler Allerlei auf fast 300 Seiten": Es gebe zwar viele Anekdoten, aber zu autobiografischer Literatur werden die Erinnerungen an Milbergs Kindheit im Kieler Nobelviertel Düsternbrook deshalb noch nicht, urteilt der Kritiker. Stellenweise hat der Autor es seiner Meinung nach zwar geschafft, seine Kindheitserlebnisse mit überindividueller Relevanz aufzuladen - etwa wenn die Komplexität der Mutterfigur oder die verdrängte NS-Zeit durchscheinen -, aber insgesamt begeht Milberg dem Rezensenten zufolge den Fehler, seine eigenen Gedanken für die großen Fragen der Menschheit zu halten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2019
Rezensent Martin Halter hat das Schriftsteller-Debüt von Axel Milberg, besser bekannt als Kieler Tatort-Kommissar Borowski, gut gefallen: Zwischen "Roman, Memoir und Familienalbum" habe sich Milberg zwar nicht allzu gut entscheiden können, aber die heterogene Mischung, mit der der Autor von einer Kindheit im vornehmen Kieler Villenviertel Düsternbrook bis hin zur Aufnahme an der Schauspielschule berichtet, sei in jedem Fall alles andere als narzisstisch. Der Erzähler beobachtet die behütete Welt seiner Eltern mit Staunen, als sensibles und misstrauisches Kind schildert er die Idylle der gut situierten Kieler von außen, erzählt der Rezensent. Halter war es letztlich egal, ob das Beschriebene größtenteils wahr ist - in jedem Fall fand er die Details zumindest "gut erfunden".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2019
Christine Dössel gönnt Axel Milberg sein schönes Schauspieler-Leben. Überzeugenden Stoff für große Literatur, meint sie, ergibt das aber nicht. Milbergs Lebenserinnerungen an seine Kieler Kindheit und Jugend findet sie gemütlich, komisch, mitunter länglich und manchmal gar spannend. So richtig mitreißend aber scheint ihr nicht, was der Autor über erste Tennisclub-Liebe und die folgenschwere Begegnung mit Gerd Fröbe schreibt. Ob all das real ist oder doch bloß gut erfunden, bleibt ihr ziemlich egal.
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