Aus dem Amerikanischen von Barbara Schaden. Im Sommer 1993, als Molly dreizehn wird, überfällt ihr Vater elf Banken. Er wird geschnappt und sitzt jahrelang in Amerika im Gefängnis. Nach seiner Entlassung verhält er sich eine Weile ruhig, dann zieht er wieder los. Dazwischen ist Joseph Brodak für seine Familie da, mit einem Job bei GM, einem Haus mit Garten, einer Ferienreise nach Peru. Als Kind ahnte Molly eine unbekannte Seite; heimlich hatte er schon einmal eine Familie gehabt. Er bleibt tagelang verschwunden, als Geschenk für die Schwester steht plötzlich ein Sportwagen vor der Tür, und er ist ein notorischer Lügner. Als er verhaftet wird, ist niemand wirklich überrascht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2017
Franziska Wolffheim liest Molly Brodaks romanartige Biografie wie einen Polizeibericht, eine Bilanz aus elf Banküberfällen. Dass der Bankräuber allerdings der Vater der Autorin ist, verblüfft die Rezensentin dann doch. Die Geschichte von Lügen und Vertrauensverlust, die Brodak so nüchtern in ihrem Debüt anhand von Fotos und Briefen rekonstruiert, geht ihr zu Herzen. Ein stimmiges Bild des Vaters, Bankräubers und notorischen Lügners aber ergibt sich nicht, meint Wolffheim, doch gerade das Ungeglättete, Unchronologische an der Geschichte gefällt ihr. Und dass Brodak ohne Selbstmitleid erzählt und zu einer "kraftvollen, unmittelbaren" Sprache findet, scheint ihr bemerkenswert.
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