Alexandre Kojeve

Tagebuch eines Philosophen

Cover: Tagebuch eines Philosophen
Matthes und Seitz, Berlin 2015
ISBN 9783882213959
Broschiert, 172 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Simon Missal. Er nannte sich selbst "Sonntagsphilosoph", schuf eine epochale Hegel-Interpretation, die auf das Werk von Bataille, Breton, Lacan und Derrida ausstrahlte, spionierte wahrscheinlich für den KGB und war Co-Architekt des europäischen Wirtschaftsraums: Kaum ein Denker des 20. Jahrhunderts griff so lustvoll und verschiedentlich in die Geschichte ein wie Alexandre Kojève. Dass schon dem achtzehnjährigen Kojève ein anderes Leben als pure Zumutung erschienen wäre, zeigt sein "Tagebuch eines Philosophen", das Erinnerungen, Reflexionen und Gedichte des gerade nach Westeuropa aufgebrochenen Studenten versammelt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2015

Rezensent Felix Philipp Ingold kann nur staunen über so viel Frühreife, Unabhängigkeit, gedankliche Souveränität, aber auch Selbstmystifizierung im Tagebuch des russisch-französischen Jungphilosophen Alexandre Kojève, das nun erstmals auf Deutsch vorliegt (leider ohne Originaltext, wie Ingold bedauert). Auch wenn die Aufzeichnungen aus den Jahren 1917 bis 1923 nur wenig Privates, kaum Zeithistorisches und höchstens Marginalien zu Kojeves Lektüre enthalten, wie Ingold erklärt, faszinieren die Texte den Rezensenten durch genialische (nicht geniale) Überlegungen zum Sein, zur Ethik, zur Subjektivität, zur Religion oder zum Recht. Neben ihrer analytischen Kraft ist es vor allem Kojèves Fähigkeit zur aphoristischen Spitze, die Ingold begeistert. Dass alles in diesem Denken auf einen ontologischen Gottesbeweis hinausläuft, entgeht dem Rezensenten nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.06.2015

Oleg Jurjew gibt sich Mühe, uns Alexandre Kojève, den jungen Privatphilosophen, Genießer und späteren Hegel-Lehrer im Frankreich der 20er Jahre anhand seines Tagebuches näherzubringen. Das gelingt nur bedingt, da, wie Jurjew selbst einräumt, das Buch wenig mehr darstellt als die Aufzeichnungen eines gewöhnlichen jungen Mannes seiner Zeit, der schlechte Gedichte schreibt und rassentheoretische Einfälle notiert. Genau diese Gewöhnlichkeit und das Wissen um Kojèves Wirken stimmen den Rezensenten allerdings nachdenklich.

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