Alexander Solschenizyn

Zweihundert Jahre gemeinsam

Die russisch-jüdische Geschichte 1795-1916
Cover: Zweihundert Jahre gemeinsam
F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München 2002
ISBN 9783776622874
Gebunden, 560 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Der Nobelpreisträger schildert in seiner historischen Dokumentation die Geschichte des Zusammenlebens von Russen und Juden, beginnend mit der dritten polnischen Teilung (1795), durch die weite Teile der ostjüdischen Bevölkerung Untertanen des Russischen Reiches wurden. Solschenizyn beschreibt den Weg der Juden zwischen Isolation, Verfolgung und Assimilierung und untersucht deren Rolle in der russischen revolutionären Bewegung bis zum Vorabend der Februarrevolution 1917.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2002

Alexander Solschenizyn, als letzter Patriarch einer sich auflösenden russischen Kulturtradition, mag eine Art Schiedsrichterrolle vorgeschwebt haben, meint Sonja Margolina, als er darin ging, zweihundert Jahre gemeinsame Geschichte zwischen Juden und Russen aufzuschreiben. Im Grunde ist das Buch eine Anmaßung, so Margolina; voller antisemitischer Ressentiments, mit einem antiquierten Weltbild, das den Paternalismus und die Staatsgläubigkeit des 19. Jahrhunderts spiegele. Dem entspreche auch Solschenizyns vollkommen unwissenschaftliche Arbeitsweise; er stützt sich überwiegend auf jüdische Enzyklopädien und Aussage von Zeitgenossen, berichtet die Rezensentin, die meisten der von ihm zitierten Bücher seien über 100 Jahre alt, fremdsprachige Publikationen wurden grundsätzlich nicht zur Kenntnis genommen. Ein Wissensstand auf dem Forschungsniveau des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Das ist mehr als Dilettantismus, beteuert Margolina. Für sie gehört Solschenizyn in die typisch russische Tradition des "rückwärtsgewandten Erneuerers", die mit Protopop Avvakum begonnen habe. Solschenizyn ist der letzte in dieser Reihe, sagt Margolina; sein Antisemitismus darum "beunruhigend, aber vielleicht nicht so wichtig".
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