Alexander Kluge

Die Kunst, Unterschiede zu machen

Cover: Die Kunst, Unterschiede zu machen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518414484
Gebunden, 120 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Meist ohne darüber nachzudenken, unterscheiden Menschen ständig: ob warm, ob kalt, ob sie einen andern riechen können, ob ihnen etwas passt oder nicht. Die Unterschiede machen die Empfindungen von ganz allein, werden aber aus Erfahrungen gespeist, die in der Millionen Jahre alten Evolution des Menschen begründet sind. Das unaufhörlich tätige Unterscheidungsvermögen, das persönliche und gesellschaftliche Verhältnisse unter der Hand bestimmt, bezeichnet Alexander Kluge als seine Domäne. Er hält ein Plädoyer für die massenhafte Produktion von Unterscheidungsvermögen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.06.2003

Andrea Köhler nutzt die eingehende Besprechung des Buches über den "Krieg und die Gefühle", wie sie die Inhalte der kurzen Texte zusammenfasst, zu einer einfühlsamen Charakterisierung des Autors und seiner Werke. Sie hält Kluge für einen "Utopisten", der nicht zuletzt auf die subversive Kraft des "rebellischen Möglichkeitssinns" vertraut. Dabei bediene er sich vor allem des Humors und der Ironie, bemerkt die Rezensentin. Da allerdings die Texte im vorliegenden Buch aus einem aufgezeichneten Gespräch hervorgegangen und vom Autor selbst redigiert worden sind, wie Köhler informiert, finde sich zu ihrem Bedauern so "manche unbeholfene und auch ungenaue" Wendung. Dennoch meint sie, dass es sich bei der Publikation um mehr handele als um eine bloße Überbrückung bis zum nächsten Buch, nämlich um eine "komprimierte Theorie der nüchternen Gefühlsaufklärung".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003

Joachim Kaiser hat für Alexander Kluges neues Buch die Vorratskammer der Attribute aufgesucht: Witzig, hintergründig, unsentimental, ohne Pathos, originell, gelegentlich unplausibel, zwingend, grotesk und noch einiges mehr findet er diese "liebenswürdig kurze Zugabe" zu Kluges "Chronik der Gefühle". Manche der kurzen Prosastücke sind dort bereits enthalten, die neuen haben Kaiser gezeigt, dass Kluge noch immer "ein glänzender Prosaist" ist, wenn er auch mittlerweile "nachlässiger formuliert". Kluge tue, was sein Schaffen seit vierzig Jahren auszeichne, nämlich in biografischen Texte, Geschichten und Untersuchungen eine "wahrhaft entwaffnende Fülle von Realitäts-Partikeln" - von Stalingrad bis zur Oper - zu seiner eigenen "Prosa-Welt" zu kombinieren. Aufgefallen sind Kaiser die so überraschenden wie herausfordernden Denk-Wendungen in Kluges Texten, oft ist er beeindruckt, manchem will er widersprechen. Dennoch stimmt er G.W. Sebalds Wort vom "klügsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegszeit" zu und hat am Ende nur noch eine "pedantische Bitte": Kluge möge doch, "so er weiterhin lustig-listig über Opern nachdenken möchte", musikhistorische Fehler vermeiden.
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