Ein Hörspiel von Andreas Ammer mit Musik von Console. Alexander Kluge hat in seinem Leben viel erzählt. "Lebensläufe" hießen die Geschichten, mit denen der spätere Filmemacher und Fernsehgestalter Anfang der 60iger Jahre erstmals als Schriftsteller öffentlich auftrat. Sie seien "teils erfunden, teils nicht erfunden. Zusammen ergeben sie eine traurige Geschichte." Als am Ende des Jahrtausends dann Kluge sein "summum opus", die vieltausendseitige "Chronik der Gefühle" vorlegte, so trug deren zweite Hälfte immer noch den gleichen lakonischen Titel: "Lebensläufe". Zusammen ergaben die Geschichten die traurige Geschichte des 20. Jahrhunderts (beginnend mit dem Urknall). Noch viel mehr hat sich Alexander Kluge in seinem Leben aber erzählen lassen: In seinen TV-Magazinen ist er der geduldige Zuhörer, ein elektronischer Sokrates, der jeden seiner Gäste bis an die Grenze des erträglichen davon erzählen lässt, was ihr Leben und die gesamte Welt im Innersten zusammenhält. Für "Eigentum am Lebenslauf" hat der vielfach ausgezeichnete Hörspielmacher Andreas Ammer die beiden Facetten des Alexander Kluge dialektisch zusammengefügt und daraus für den Bayerischen Rundfunk ein Hörspiel gemacht.
Begeistert zeigt sich Rezensent Klaus Walter von diesem Hörspiel Alexander Ammers, in dem Alexander Kluge, unterlegt von Musik Martin Gretschmanns alias Console, loslegt und einfach das tut, was er am besten kann: erzählen. Er vergleicht das mit einem Erzählen an der Theke und beschreibt es als "sprunghaft, assoziativ, leidenschaftlich, delirant, over the top". Sein Redefluss mutet Walter oft polyphon an, wenn Kluge in Dialog mit sich selbst gerät und immer wieder alles miteinander vernetzt. Besonders unterstreicht Walter das intelligente Zusammenspiel von Kluges Erzählungen etwa von der ersten Globalisierung vor Millionen von Jahren, von der Lebenszeit oder seiner Großmutter und Consoles "Generalbass-Techno", einem über weite Strecken "ruhigen Klangfluss". Er würdigt diesen Umgang mit der Musik und dem Wort auch als "Gegenentwurf zum formatierten Popradio mit seinem Dogma von der Durchhörbarkeit".
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