Klappentext

Mit einem Gastbeitrag von Reinhard Jirgl. Von Max Weber stammt der berühmte Satz, die Politik sei "ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich". Von ihm ausgehend, untersucht Kluge in 133 Geschichten jene Werkzeuge, die politisch agierenden Menschen im harten Kampf um die Macht zur Verfügung stehen. Für intelligente Zähigkeit als Voraussetzung politischer Veränderung ist Max Webers Bohrer gewiß ein geeignetes Bild. Was ist aber ein Hammer im politischen Geschäft? Was heißt Feingriff? Und zuletzt führen alle Fragen auf die eine: Was ist dieses Politische überhaupt?
Inmitten der aufgeregten Debatten über Stuttgart 21 und Sarrazin behält Kluge kühlen Kopf. Ihn als Literaten interessiert die Frage: "Wie erzählt man davon?" Politik, sagt er, ist ein besonderer Aggregatzustand alltäglicher Gefühle. Sie ist überall. Sie bewegt private Lebensläufe ebenso wie die Öffentlichkeit. Und so behaupten sich in seiner Geschichte neben den Großen auch die Kleinen, Unbekannten, fast Namenlosen: Elfriede Eilers neben Perikles und Putin und die in 700 Meter Tiefe versunkenen chilenischen Bergleute neben Napoleon, Obama und Angela Merkel, der "Kanzlerin am falschen Ort".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.06.2011

Tja, an Kluge muss man glauben. Sein Sound muss verführen. Gelingt das einmal nicht, könnte der Effekt eintreten, den Rezensent Eberhard Falcke beschreibt: Was als Geistesblitz gedacht ist, wirkt als bloßes Notat aus dem Zettelkasten. Dem "Virtuosen des Assoziativen" fehlt am Ende Stringenz. Falcke schreibt sich in seiner Kritik in eine gewisse Rage hinein. Anfangs erkennt er durchaus noch an, dass Kluges unnachahmlich dargebotene Erkenntnisfragmente zum Selber- und Weiterdenken anregen. Am Ende aber scheint es ihm doch so, dass zum Beispiel das Genre des Essays, der ja im größeren Maßstab ebenfalls fragmentarisch ist, einerseits für den Autor sehr viel riskanter ist als Kluges Notizen, aber andererseits für den Leser doch nahrhafter. Am Politischen, so muss man Falcke verstehen, scheitert Kluge aus schierer Leichtigkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.05.2011

Sven Hanuschek schätzt Alexander Kluges neues Buch mit 133 Geschichten zur Politik als eine "Wundertüte über Politik und ihre Metaphern". Das Buch bietet in seinen Augen die "vertraute Kluge-Mischung": da finden sich Neugierde und Assoziationen, erfundene Dokumente und abseitiges Wissen, Überlegungen über Gefühle in der Politik, philosophische Gedanken und anschaulichen Geschichten von fiktiven und authentischen Figuren. Metaphern und Begriffe wie Vollblutpolitiker, Augenmaß und Instinkt werden nach Hanuschek vom Autor kritisch und spöttisch auseinander genommen. Er hebt hervor, dass es Kluge letztlich aber nicht um einige Politiker geht, sondern um das Große Ganze. Sein Fazit: eine "Trost-Fibel, voller Optimismus über die Widerstandskraft menschlichen Eigensinns".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2011

Keine Handlungsanweisung hält Sandra Richter da in Händen. Bei Alexander Kluge hat sie das auch nicht erwartet. Allerdings nimmt sich der Autor die politische Gegenwart und nähere Vergangenheit mit gewohnter Gründlichkeit in der Recherche und Sammlung von Indizien und mit Assoziationsfreude vor. Für Richter entsteht eine Art Drehbuch zum politischen Leben, seinen Möglichkeiten (nach Max Weber) und seinen Realitäten (Opportunismus, Kompromisse, Büffet). Geschichten, die Richter verblüffen und ihr bedeuten, wie sehr der politische Alltag Webers Wort vom Bohren dicker Bretter ad absurdum führt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.04.2011

Beeindruckt zeigt sich Jens Bisky von Alexander Kluges 133 politischen Geschichten. Die in knapper, prägnanter Prosa gehaltenen Geschichten lesen sich für ihn wie von einem "ernüchterten Kleist" der Gegenwart geschrieben. Er attestiert dem Autor nicht nur einen klugen Blick zwischen Detail und großen Ganzen, sondern auch eine selbstverständliche Vertrautheit mit Denkern wie Kant, Hegel, Heidegger, Habermas und anderen. "Das Bohren harter Bretter" gehört in seinen Augen auf den "Frühstückstisch eines jeden passionierten Zeitungslesers", nicht zuletzt deshalb, weil Kluge ein Autor ist, der "mehr sieht".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2011

Rezensent Christiane Müller-Lobeck schätzt Alexander Kluge als "bedachtsamen Bildungsbürger, dem man beim Denken zusehen kann." Und sie hat eine Menge gesehen in seiner mit "Das Bohren harter Bretter" überschriebenen Textsammlung, die das Politische von verschiedenen Seiten ergründet. Angefangen bei der Bedürfnisbefriedigung seines Terriers über Profilstudien ausgewählter Volksvertreter bis hin zu den Mauerstürmern von 1989 findet Kluge das Politische überall dort, wo "Eigensinn" den Menschen (oder eben auch den Hund) motiviert, wie Müller-Lobeck bemerkt. Mit dem Begriff des Eigensinns schließt Kluge dabei an sein gemeinsam mit Oskar Negt verfasstes früheres Buch "Öffentlichkeit und Erfahrung" an, weiß die Rezensentin, der ebensowenig entgeht, dass das Bretterbohren im Titel ein geflügeltes Wort Max Webers persifliert. Gefallen hat ihr, dass die kurzen Betrachtungen des Universaltalents Kluge sich ineinanderschieben und überlagern, ergänzen und aufeinander verweisen. An ein Internetblog fühlt sich Müller-Lobeck durch diese "verwurschtelten Bezüge" unweigerlich erinnert.