Peter Sloterdijk

Zeilen und Tage

Notizen 2008-2011
Cover: Zeilen und Tage
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518423424
Gebunden, 639 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Über vier Jahrzehnte hinweg widmete sich Peter Sloterdijk Morgen für Morgen einem Tagebuch besonderen Typs: In linierten DIN A4 Heften hielt er handschriftlich fest, was ihm am vergangenen Tag aufgefallen war und was ihm bevorstand. Eine Veröffentlichung der Notate zog er nicht in Betracht. Durch dieses Schreiben-für-sich-selbst entstanden "datierte Notizen", die intellektuelle Komödie und gesellschaftliche Tragödie miteinander verknüpfen. Ende des Jahres 2011 entschloss sich der Tagebuchschreiber, seine Notizen öffentlich zu machen: Er nahm sich Heft 100 aus dem Jahre 2008 vor und transkribierte seine Niederschriften, Zeilen und Tage, bis zum Mai 2011.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.09.2012

Das "bisher persönlichste Buch" Peter Sloterdijks sieht Rezensent Ludger Lütkehaus in den jetzt vorliegenden Notizen des Philosophen aus den Jahren 2008 bis 2011. Das starke Interesse des Autors für TV-Fußball hat ihn etwas überrascht. Gleichwohl umfassen die Aufzeichnungen für ihn eine Vielzahl von Themen, bieten Zeitdiagnose, Geschichts- und Selbstreflexion, Reiseeindrücke, Lesefrüchte usw. Das Ganze scheint Lütkehaus so heterogen wie Sloterdijks Philosophieren, dessen roten Faden er auch nicht immer zu sehen vermag. Staunenswert jedenfalls findet er die unglaubliche Produktivität des Philosophen, der unzählige Einladungen und Preise erhält und für die Philosophie durch die Welt gondelt. Dass das eine mächtige Portion Narzissmus voraussetzt, ist für Lütkehaus auch bei der Lektüre dieser Notizen immer wieder spürbar.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.08.2012

Johan Schloemann ist zwar nicht "neidisch", aber voll Bewunderung für die Umtriebigkeit, die nicht nachlassende "Neugier" und nicht zuletzt die Bodenhaftung, die Peter Sloterdijk in seinen gesammelten Notizen zwischen 2008 und 2011 beweist. Was man seinen Monografien oft vorgeworfen hat, dass er hier nämlich allzu demonstrativ seinen Witz und Scharfsinn hervorkehrt, gefällt dem Rezensenten gerade an diesen Aufzeichnungen, in denen er herrliche Aphorismen, geistvolle Essays, treffende Zeitdiagnosen und nicht zuletzt wunderbaren Humor gefunden hat, wie er schwärmt. Gern zitiert Schloemann einige Apercus des Philosophen und freut sich an seinen brillanten Geistesblitzen und jetzt dämmert dem begeisterten Rezensenten auch, dass, wenn Sloterdijk auch vielleicht nicht der "wichtigste Philosoph Europas", er zumindest der "beste Feuilletonist" Deutschlands sein dürfte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2012

In gewohnt wortwitziger Weise nähert sich Thomas Kapielski diesem neuen Wurf des Philosophen Peter Sloterdijk. Kein Tagebuch, sondern Notate seien es geworden, Zeitspanne: 2008 bis 2011, und abwechslungsreich sei es. Ein Konvolut aus Erlebtem, Bonmots, Lektüreeindrücken, Ansichten aus einem Philosophenleben, die den Rezensenten verblüffen. Warum? Weil dieser Mann so unglaublich viel liest, schreibt (elegant, plausibel, fachlich versiert, wie Kapielski findet) und verreist. Eins nur bedauert er zutiefst: Das peinvoll Alltägliche kommt ihm entschieden zu kurz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.08.2012

Der Meister aus Deutschland in Hochform, urteilt Dirk Pilz über Peter Sloterdijks neues Buch, eine Selbstinszenierung hoch drei, Notizen dreier Jahren (2008-2011), nicht thematisch geordnet, weitgehend frei von Privatem, doch nicht von Arroganz und Dünkel, wie Pilz durchaus amüsiert feststellt. Ebenso komisch erscheint ihm die Oberlehrerhaftigkeit des Autors, der hier die ultimative kommende Denkweise schon mal für alle festlegt. Oder Kollegen gnadenlos aburteilt, als Welt-Ich gewissermaßen. Warum sich das antun? Weil es immens unterhaltsam ist, meint Pilz, und von hoher Stilkunst. Vor allem aber, weil der Autor sich nicht scheut, sich mit seinem Denken rücksichtslos ins Weltgetümmel zu stürzen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.08.2012

Fast ein wenig verschämt klingt es, wenn Adam Soboczynski seine Freude an Peter Sloterdijks jüngster Publikation nicht nur, aber eben auch, an den Einblick in den privaten Alltag des Philosophen knüpft. Hier wird sein voyeuristisches Interesse aufs Schönste befriedigt, aber auch an seinen Lektüreeindrücken und Beiträgen zu die Öffentlichkeit bewegenden Debatten hat der Rezensent sein Vergnügen. Die schiere Vielfalt der Themen und die entfesselte Assoziationslust, mit der Sloterdijk Geschichte und Gegenwart in seine hier versammelten frühmorgendlichen Gedanken aufnimmt, machen sein Buch für den begeisterten Soboczynski zu einem fesselnden "Gesellschaftsroman", zur "Selbstanalyse und Zeitdiagnose", wie er schwärmt. Lediglich wenn es um eine Auseinandersetzung mit den Reaktionen auf die von ihm losgetretene Steuerdebatte geht, wundert sich der Rezensent über Sloterdijks Schmallippigkeit und kann hier Martin Walser nur beipflichten, der den Philosophen in einem "Reizklima des Rechthabenmüssens" sieht. Ansonsten lässt sich Soboczynski aber von der herrlichen Anarchie dieses Buches in den Bann ziehen und sieht auch die literarischen Ansprüche eingelöst, die Sloterdijk nicht nur an sein philosophisches Werk stellt.