Aus dem Amerikanischen von Sigrun Arenz. Alexandria Marzano-Lesnevich, selbst Kind zweier Anwälte, tritt ein Praktikum in einer Kanzlei in Louisiana an. Sie ist stolz auf ihre Arbeit, stolz darauf, sich gegen die Todesstrafe einzusetzen. Doch als sie eines Tages Videoaufzeichnungen des verurteilten Kindermörders Ricky Langley sieht, verändert sich ihr Leben für immer: Sie verspürt den überwältigenden Wunsch, dass Langley für seine Tat hingerichtet wird. Schockiert von ihrer Reaktion stürzt sie sich in den Mordfall, recherchiert und macht eine weitere Erfahrung, die sie erschüttert, denn vieles scheint frappierende Parallelen zu ihrer Kindheit zu haben, als sie von ihrem Onkel sexuell missbraucht wurde. Und dann nimmt der Fall eine spektakuläre Wendung ...Ein True-Crime-Thriller und eine Geschichte über das Geschichtenerzählen selbst: Welche Geschichten legen wir uns zurecht, um mit traumatischen Erfahrungen umzugehen? Welchen Narrativen schenken wir im Privaten und vor Gericht mehr Glauben als anderen? Und inwiefern hat das Konsequenzen für die Frage nach Schuld und Vergebung?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.01.2021
Rezensentin Sylvia Staude gefällt das "Ringen um Rekonstruktion", das Alex Marzano-Lesnevich in ihrem autobiografischen Kriminalroman betreibe. In einem Erzählstrang erzählt das Buch von Marzano-Lesnevichs Missbrauch durch ihren Großvater, und in einem zweiten vom Fall Ricky Langley, dessen Kindheitstrauma ihn zu pädophilen Neigungen und einem Mord bewog. Wie die Autorin sich dabei um relevante Details, Lücken und mögliche Wahrheiten bemüht - beispielsweise betont sie, dass Langley trotz kaputter Familienverhältnisse keinesfalls ohne Liebe aufgewachsen sei - beeindruckt die Rezensentin, ebenso wie die ehrlichen und "berührenden" Schilderungen der eigenen Kindheit der Autorin. Ein Buch über Wahrheit und Vergebung, lobt Staude.
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