Ai Weiwei

1000 Jahre Freud und Leid

Erinnerungen
Cover: 1000 Jahre Freud und Leid
Penguin Verlag, München 2021
ISBN 9783328602316
Gebunden, 416 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz und Elke Link. Mit zahlreichen Abbildungen. Ai Weiwei gehört zu den bekanntesten Künstlern unserer Zeit. In "1000 Jahre Freud und Leid" schildert er erstmals seinen außerordentlichen künstlerischen Werdegang vor dem Hintergrund der Geschichte seiner Familie in China. Schon als Junge erlebte er die Verbannung und Demütigung seines Vaters Ai Qing, einst ein Vertrauter Maos und Chinas einflussreichster Dichter, der im Zuge der Kulturrevolution als "Rechtsabweichler" gebrandmarkt wurde. Diese Erfahrungen prägten Ai Weiweis Schaffen und seine politischen Überzeugungen. Er beschreibt die schwierige Entscheidung, seine Familie zu verlassen, um für ein Kunststudium in die USA zu gehen, wo er sich u. a. mit Allen Ginsberg anfreundete und künstlerische Inspiration fand. Offen erzählt er von seinem Aufstieg zu einem Star der internationalen Kunstwelt, der aufgrund seiner Menschenrechtsaktivitäten jedoch immer stärker ins Visier des chinesischen Regimes geriet, das ihn schließlich 2011 mehrere Monate inhaftierte. Die sehr persönlichen und vom Künstler selbst reich illustrierten Erinnerungen geben nicht nur einen fesselnden Einblick in Ai Weiweis Leben und Arbeiten, sie sind zugleich Mahnung, die Meinungsfreiheit immer wieder neu zu verteidigen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2021

Rezensentin Sonja Zekri begreift den Künstler Ai Weiwei nach einer Vorstellung seiner Autobiografie im Gespräch mit Daniel Kehlmann am Berliner Ensemble besser und die Kritik an ihm weniger. Neben dem Schlüsselereignis für Ais Künstlerdasein, die Verbrennung der Bibliothek seines Vaters zum Schutz vor Maos Roten Garden, lernt die Rezensentin vor allem aus der grausamen Kindheit des Künstlers im Gulag, nachdem er und sein Vater nach Xinjiang verbannt wurden. Von einem Erdloch als Zuhause, in das "manchmal ein Schwein fällt", ist die Rede, und von seinem Vater, der die wegzuputzenden gefrorenen Fäkalien begutachtet wie eine "Skulptur von Rodin", zitiert Zekri. Dass Ai "Trittbrettfahrerei" und Koketterie vorgeworfen wurde, als er das Flüchtlingslager auf Lesbos besuchte, scheint ihr vor diesem Hintergrund abstrus - gerade neben einem so "offensiv naiven" und auch sehr westeuropäischen Kehlmann, der "Golf" versteht, wenn Weiwei "Go" sagt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.11.2021

Es wird vor allem zwischen den Zeilen deutlich, was Thomas E. Schmidt von Ai Weiweis groß angekündigter Biografie hält. Für den Kritiker ist das Buch eigentlich eine Doppelbiografie, denn Ai widmet sich hier auch seinem Vater, dem chinesischen Dichter Ai Qing. Und hier sieht Schmidt bereits das erste Problem des Buches: "Propaganda und Unterwerfung" im Leben des Vaters spart Ai einfach aus, um aus jenem einen "unbeugsamen Widerständigen" zu machen. Und genau in dieser Tradition sieht sich auch Ai Weiwei, glaubt der Kritiker. Zwar erkennt er in dem Buch ein eindringliches, auch bewegendes Dokument eines chinesischen Intellektuellen im 20. Jahrhundert. Aber nur den stets dem Widerstand verpflichteten Dissidenten will Schmidt in Ai, diesem Liebling des Kunstmarktes, dann doch nicht sehen. Gern hätte der Kritiker außerdem etwas zu Ai Weiweis lautstarkem Abgang aus Berlin gelesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.11.2021

Rezensent Arno Widmann nimmt Ai Weiweis Buch "1000 Jahre Freud und Leid" zum Anlass für eine Hymne auf den chinesischen Autor und Künstler. Großartig findet Widmann das Buch mit seinem Blick aufs Detail und dem Sinn fürs große Ganze. So schafft es Ai Weiwei, nicht nur die eigene Biografie, sondern auch die Geschichte Chinas zu erzählen, wenn nicht gar der Welt, wie der Rezensent beglückt bemerkt, der sich von dem Buch zudem zu Erinnerungen an seine eigene China-Besuche angeregt sieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.11.2021

Rezensent Mark Siemons versteht die Widerständigkeit des chinesischen Künstlers Ai Weiwei etwas besser nach der Lektüre dieser Memoiren. Ai schildert hier laut Rezensent recht kühl die Demütigungen unter den Roten Garden, denen sein Vater ausgesetzt war, und die Vereinnahmung seiner selbst und seiner Kunst durch den Westen. Die Kluft zwischen den Erfahrungshorizonten wird Siemons dadurch bewusst und auch das Kraftzentrum von Ais Kunst. Von der Harmlosigkeit der Zeichnungen im Buch solle sich der Leser nicht täuschen lassen, rät Siemons. Die abgebildeten Latrinen und Abhörinstrumente führen direkt zum Kern von Ais Werk, meint er.