Bei Dao

Das Stadttor geht auf

Eine Jugend in Peking
Cover: Das Stadttor geht auf
Carl Hanser Verlag, München 2021
ISBN 9783446270725
Gebunden, 336 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Chinesischen von Wolfgang Kubin. Der Dichter Bei Dao, der nach Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens des Landes verwiesen wurde, erinnert sich: an seine Kindheit in Peking und seine turbulente Jugend während der Kulturrevolution, an die berauschende und festliche Stimmung dieser Zeit, an die Roten Garden, denen er sich als Siebzehnjähriger anschloss. Das intim Familiäre und das lärmend Politische, die Begeisterung und die Ernüchterung, das Feiern, auf das die Hungersnot folgt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.12.2021

Rezensent Dieter M. Gräf folgt interessiert den Erinnerungen des chinesischen Dichters Bei Dao an seine Heimatstadt Peking. Dao, der 1989 nach Amerika ins Exil ging, schildert Peking derart plastisch, dass der Kritiker die Erfahrungen des Autors nachempfinden kann. Eine immer größere Rolle spielt im Verlauf des Buches der historische Hintergrund jener Jahre der Kulturrevolution, erklärt der Rezensent. Sicher kein "Hauptwerk" des Autors, aber ein lesenswertes "Erinnerungsbuch", schließt Gräf.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.10.2021

Rezensent Marko Martin erfährt viel über die Verheerungen in der Seele des Dichters und Essayisten Bei Dao aus diesem Buch. Allein die sprunghafte Form, das Hin und Her zwischen Zeiten und Räumen, Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden machen Martin deutlich, wie sehr die Erfahrungen des jungen Dao während Maos "Kulturrevolution" dem Autor noch immer in den Knochen stecken. Die Erfahrung der Demütigung und vor allem die allgegenwärtige Angst, von der Dao "sinnlich" berichtet, übertragen sich auf den Rezensenten. Eine wichtiges Buch, auch zum Verständnis des heutigen China, meint Martin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.10.2021

Rezensent Tilman Spengler empfiehlt die Kindheitserinnerungen des Lyrikers Bei Dao zum besseren Verständnis chinesischer Traumata. Der Autor liefert laut Spengler sozusagen den Hintergrund zu Ereignissen wie der Kulturrevolution und der Verfolgung der Intellektuellen unter Mao, wenn er von den Gerüchen und Geräuschen im heimatlichen Hutong von Peking in den 1950ern bis 70ern berichtet, von Hunger und von der allgegenwärtigen Angst. Die Lakonie des Textes lässt Spengler Raum für eigene Vorstellungen. Dadurch steigt die Beklemmung beim Lesen noch, meint er. Wolfgang Kubins Übersetzung fängt den zwischen Trauer und Humor changierenden Ton des Autors gut ein, findet der Rezensent. Ein historischer Apparat fehlt dem Band leider, stellt er fest.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.10.2021

Rezensentin Katharina Borchardt vermisst in Bei Daos Autobiografie den mitreißenden Erzähler. Dao wirkt in seinen Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend in Pekings Hutong zu Zeiten der Kulturrevolution auf die Rezensentin allzu oft wie ein Unbeteiligter. Wie kann das sein? Die KP lässt Menschen verschwinden, andere sterben vor Hunger, aber der Autor listet das nur "ungerührt" auf, wundert sich Borchardt. Zwar erfährt sie einiges über Dao als Volksarmist und die Idylle in den Gassen Pekings, das Buch aber empfiehlt sie eher hartgesottenen Dao-Fans, die auf emotionale wie auf analytische Intensität verzichten können.