Pavel Kohout

Aus den Tagebüchern eines Europäers

Cover: Aus den Tagebüchern eines Europäers
Osburg Verlag, Hamburg 2019
ISBN 9783955101824
Gebunden, 580 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Silke Klein. Am 20. Juli 2018 feierte Pavel Kohout seinen 90. Geburtstag. In den Tagebüchern eines Europäers blickt er, der als bedeutender Zeitzeuge Europa literarisch und politisch mitgeprägt hat, auf sein Leben zurück und behandelt zugleich die großen Themen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine "Memoiromane" - Kohouts eigene Wortschöpfung, die eine Verschmelzung literarischer Dichtung mit biografischer Wahrheit bezeichnet - umfassen eine Epoche, in der sich die Welt mehr gewandelt hat als in allen früheren der Menschheitsgeschichte. In Kohouts Leben spiegeln sich die Brüche seines Jahrhunderts wider: In jungen Jahren war er überzeugter Kommunist, KP-Mitglied und meistgespielter Stückeschreiber der ČSSR, später wurde er einer der Wortführer des Prager Frühlings und Dissident, den man aus der Partei ausschloss und des Landes verwies. In den ausgewählten Herzstücken seiner hochliterarisch und spannend erzählten Lebensberichte, die hier präsentiert werden - Aus dem Tagebuch eines Konterrevolutionärs (1969), Wo der Hund begraben liegt (1987), wie auch in den Kapiteln der Autobiografie Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel (2010) -, lässt er die entscheidenden politischen Ereignisse, die in seine Existenz eingriffen und in die er selbst eingriff, Revue passieren und beschreibt den nie enden wollenden Kampf gegen Totalitarismus, für Freiheit und Demokratie mitsamt den Akteuren auf beiden Seiten der Fronten. Als Theaterautor arrangiert er seine Geschichte wie ein Bühnenstück, tritt mit seinen Lesern in einen Dialog und begleitet sie auf eine sehr persönliche Weise durch seine Lebensbilanz.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.06.2019

Zum Glück gibt es den tschechischen Humor in diesen autobiografisch geprägten Texten von Pavel Kohout, meint Rezensent Martin Becker, wie hier private und weltgeschichtliche Katastrophen koinzidieren, ließe sich ja sonst kaum ertragen. Einerseits intim, andererseits mit Sinn für die historischen Umwälzungen, erzählt Kohout laut Becker vom Prager Frühling, der Charta 77, von Ausbürgerung und Havels Antritt. Dazwischen entdeckt der Rezensent "Glutkerne" voller Poesie und Melancholie der autobiografischen Prosawerke des Autors. Dem Anekdotischen entkommt er durch brillante, kurzweilige, kluge Erzählkunst, so Becker.

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