Adelheid Duvanel ist eine Meisterin der kleinen Form. Ihre kurzen Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem Leben von meist versehrten Existenzen, die sich aber in ihren fatalen Verhältnissen mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen. In ihrem eigensinnigen Beharren auf ihre Sicht der Welt bewahren sie sich ihre Würde gegen die Zumutungen des Lebens. Ja, sie finden gerade in der Abweichung vom Verlangten eine Kühnheit, die den Texten ihre Energie gibt. Trotz ihres manchmal finsteren Inhalts leben die Texte von überraschenden, absurden Wendungen und einer hintergründigen Komik.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.07.2021
Rezensent Michael Braun würdigt die "editorische Großtat" des Limmat Verlags, dessen Gesamtausgabe mit sämtlichen Prosastücken von Adelheid Duvanel die außergewöhnliche Erzählkunst der Schweizerin deutlich macht, so Braun. Erbarmungslos und präzise schildere Duvanel in ihren von Außenseitern bevölkerten, "verstörenden" Kurzgeschichten von je zwei bis sechs Seiten die "Heillosigkeit" menschlicher Existenz in all ihren Facetten, resümiert der Kritiker: um einsame Mütter, Selbstmörder oder Verlassene gehe es, und jeder Hoffnungsschimmer werde im Keim erstickt. In den surrealen Anklängen mancher Geschichten fühlt sich der Rezensent an die Prosa Kafkas erinnert. Wie Duvanel es vermag, aus gleichsam göttlicher Perspektive gleichzeitig in die Seelen ihrer Figuren und aus ihnen heraus auf die fremde Welt zu blicken, hält Braun für "große Kunst".
Rezensent Michael Krüger preist die von Elsbeth Dangel-Pelloquin herausgegebenen knappen Geschichten von Adelheid Duvanel. Die Autorin spielt für ihn in einer Liga mit Ilse Aichinger und Ingeborg Bachmann. Die Geschichten im Band weisen sie laut Krüger als eine der großartigsten Erzählerinnen des 20. Jahrhunderts aus. Wie die Texte ausschließlich die Erniedrigten und Beleidigten behandeln, die Traumwandler und Einsamen, Hungerkünstler und Unglücklichen, findet Krüger erstaunlich, weil dicht und scheinbar ungerichtet, interesselos, so wie bei Kafka, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2021
Rezensent Luke Wilkins schwärmt über Adelheid Duvanels kurze Erzählungen, erstmals in einem Band zu lesen und laut Wilkins wunderbar an Robert Walsers und Franz Kafkas Menschlichkeit erinnernd, wenn die Autorin sanfte Verweigerer und Widerständler des Daseins beschreibt. Die verkürzten, verdichteten Biografien der Autorin verblüffen Wilkins mit "intensiver Bildkraft" und einer Durchdringung von Innen und Aussen, von Figuren, Räumen, Dingen. Wie Biografie und Werk der 1996 aus dem Leben geschiedenen Autorin zusammenhängen, erläutern die Herausgeberinnen Elsbeth Dangel-Pelloquin und Friederike Kretzen Wilkins auf minuziöse Weise.
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