Das Verhältnis von Literatur, Medien, Politik, Institutionen und Ökonomie befindet sich in der Bundesrepublik der frühen 60er Jahre in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Nicht erst um 1968, sondern bereits zu Beginn des Jahrzehnts entstehen Strukturen, die den modernen Literaturbetrieb bis heute prägen. Der Autor, Literaturwissenschaftler, Herausgeber, Kritiker und Organisator Walter Höllerer (1922-2003), in dessen Position sich vielfältige Diskurse, soziale Felder und Funktionsbereiche auf einzigartige Weise kreuzen, spielt dabei eine herausragende Rolle. Die Beiträge dieses Bandes machen hierauf aufmerksam, indem sie das 'Phänomen Höllerer' aus literatur-, medien- und sozialwissenschaftlicher Sicht analysieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2013
Um den ganzen Walter Höllerer ermessen zu können, muss Jan Röhnert noch einige Kolloquien in Sulzbach-Rosenberg abwarten. Einstweilen gefällt ihm der Band mit literatursoziologischen Beiträgen zum Netzwerker Höllerer bis '68, zu seiner Förderung der "Akzente", seinem Engagement für Dichterlesungen und seiner Mentorentätigkeit in Sachen konkrete Poesie etwa. Dass immerhin zwei Beiträge des aus einer Tagung von 2009 hervorgegangenen Bandes dem Literaten Höllerer gewidmet sind, findet Röhnert schon prima. Auf Einlassungen zu Höllerers Thesen zum langen Gedicht, zu seiner transatlantischen Vermittlerarbeit und zu seinem Einfluß auf seine Schüler muss der Rezensent, wie gesagt, noch warten.
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