Natürlich hat es das Jahr 1968 gegeben. So wie auch die damit verknüpfte Studentenbewegung stattgefunden hat. Aber war "1968" wirklich der Umschlagpunkt, der eine verkrustete, unbewegliche Welt in eine offene Zukunft geführt hat? Jedenfalls ist der Mythos "1968" ein Erzählanlass, dem auf den Grund gegangen werden muss. Denn was für individuelle Biografien gilt - dass sie sich eingängiger erzählen lassen anhand eines kritischen, alles ändernden Ereignisses -, gilt auch für die Nacherzählung von gesellschaftlichen Entwicklungen: Wenn es einen Kairos gibt, den entscheidenden Moment, durch den das chronologische Nacheinander beeinflussbar ist, lässt sich - im Nachhinein - alles erklären. Da aber auch solche vermeintlichen Plötzlichkeiten nicht einfach vom Himmel fallen, sind auch sie erklärungsbedürftig. Zu klären ist, welche gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und Veränderungen "1968" möglich gemacht haben. Ob "1968" Ursache oder Effekt von Veränderungen war. Und was davon geblieben ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2018
Günther Nonnenmacher empfiehlt den Essay des Soziologen Armin Nassehi, für ihn eine der interessantesten Abhandlungen anlässlich des Jubiläums von "1968". So provozierend der Titel, meint Nonnenmacher, so anspruchsvoll die soziologische Analyse, mit der der Autor "1968" als Teil eines Moderninerungsprozesses ausmacht, der laut Nassehi zu mehr politischem Engagement führte, aber auch zu einer ermüdenden Dauermoralisierung und zur Pose der Popkultur. Faszinierend, meint Nonnemacher, auch wenn der Rezensent dem Autor nicht auf allen Höhenflügen und durch alle Untiefen der Reflexion folgen muss.
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