Aus dem Jiddischen von Daniel Wartenberg. Eine Hommage an das jüdische Warschau und die Blütezeit des jiddischen Kulturlebens.
Abraham Teitelbaum erzählt von seiner Kindheit und Jugend in Warschau um 1900. In zehn Kapiteln, die jeweils einem Innenhof oder einer bestimmten Straße in Warschau gewidmet sind, schildert er das Alltagsleben, die Menschen, aber auch die politischen Ereignisse sowie soziale und kulturelle Aspekte jüdischen Lebens. Unter den bunten Charakteren finden sich fliegende Händler, Wasserträger, Böttcher, Scherenschleifer und Kesselflicker, Diebe und Messerstecher, Unterweltbosse, Hauslehrer, Rabbis, Revolutionäre und Sozialisten, Bankiers, Theaterschauspieler und Schriftsteller. In Teitelbaums Elternhaus proben Laienschauspieler und wecken in dem Jungen den Wunsch, selbst auf der Bühne zu stehen. Er nimmt ersten Schauspielunterricht bei dem großen jiddischen Schriftsteller Jizchok Leib Perez. Aus Liebe zur Literatur wird Teitelbaum als junger Mann zunächst Buchhändler und arbeitet später für eine hebräische Zeitung.
Abraham Teitelbaums Jugenderinnerungen erschienen 1947 auf Jiddisch. Nun ist dieses einmalige Zeugnis jüdischen Lebens erstmals ins Deutsche übersetzt worden.
Rezensent Dirk Schümer ist dankbar für die deutsche Übersetzung von Abraham Teitelbaums 1947 in jiddischer Sprache erschienenen Kindheitserinnerungen an Warschauer Innenhöfe und deren Bewohner. Auch wenn der 1889 geborene Schauspieler und Theaterregisseur vielleicht nicht den gleichen literarischen Rang wie etwa Issac Bashevis Singer oder Itzik Manger erreichen mag, folgt der Kritiker ihm doch berührt durch Warschauer Nachbarschaftsalltag, beobachtet Großfamilien, Marktfrauen oder Rabbis, die zum Gelderwerb Tüten kleben und erlebt zugleich Straßenkämpfe, Bombenanschläge gegen zaristische Polizisten oder das Verteilen kommunistischer Kassiber. Nicht zuletzt freut sich Schümer über zahlreiche Schwarzweiß-Fotos in diesem Buch.
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