Abbas Khider

Brief in die Auberginenrepublik

Roman
Cover: Brief in die Auberginenrepublik
Edition Nautilus, Hamburg 2013
ISBN 9783894017705
Gebunden, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Oktober 1999 im Irak herrscht Saddam Hussein, in Libyen Gaddafi, in Ägypten Mubarak, in Syrien Hafiz al-Assad und in Jordanien König Abdullah II bin Hussein. Die arabische Facebook und Twitter-Revolution gegen die Despoten ist noch fernste Zukunft. Einen Brief an der Zensur vorbeizuschicken, ist ein langwieriges und gefährliches Abenteuer. Das nach dem Golfkrieg verhängte Handelsembargo treibt die irakische Bevölkerung ins Elend einzig Auberginen gibt es im Überfluss, sodass die Iraker ihrem Land den Beinamen "Auberginenrepublik " verpasst haben. Salim, ein ehemaliger Student, schlägt sich im libyschen Exil als Bauarbeiter durch. Er war wegen des Besitzes verbotener Bücher verhaftet worden. Über seinen Onkel ist ihm die Flucht aus dem Irak gelungen, doch er hat nie wieder von seiner Familie, seinen Freunden und vor allem von seiner Geliebten Samia gehört, deren Namen er auch unter Folter nicht preisgegeben hatte. Nun erfährt er in Bengasi von einem die ganze arabische Welt überspannenden Netzwerk von illegalen Briefboten und wagt es, Samia einen Brief mit einem Lebenszeichen zu senden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.08.2013

Kein Großwerk, doch ein lesenswertes Buch wittert Meike Fessmann bei diesem Roman von Abbas Khider. Vermisst sie den Übermut des ersten, die nüchterne wie poetische Sprache des zweiten, so bietet ihr Khiders dritter Roman, in dem der Autor die Liebesbriefe seiner Figur quer durch die arabischen Diktaturen befördern und die jeweiligen Übermittler erzählen lässt, immerhin eine Menge Pointen, ein Schweben zwischen Komik und Tragik und den Genuss von Khiders Fähigkeit, mit wenigen Worten den Alltag im Irak, in Jordanien, Ägypten, Syrien etc. vor Beginn des arabischen Frühlings zu beschreiben. Ferner lernt Fessmann mittels der verblüffend einfachen wie wirkungsvollen Idee, mit den Briefstationen verschiedene Erzähler zum Zuge kommen zu lassen, wie selektiv sich Wirklichkeit wahrnehmen lässt und wie wenig sich Gut und Böse, Opfer und Täter in diesem Kontext voneinander trennen lassen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2013

Wenn es darum geht, "arabische Erzähltradition lakonisch, charmant und mit melancholischem Unterton in die deutsche Literatur" einzuführen, gibt es keinen zweiten neben Abbas Khider, schwärmt ein nach der Lektüre von "Brief in die Auberginenrepublik" aufrichtig gerührter Carsten Hueck. Im Mittelpunkt des Romans steht ein Brief, informiert der Rezensent nach einer kurzen Vorstellung von Khiders Werdegang als irakischer Dissident, Emigrant und schließlich deutschsprachiger Romancier, ein Brief, der im Jahr 1999 auf netzwerkartig klandestinen Umwegen an den Behörden vorbei aus dem Exil an seine Adressatin im Irak gelangt, wobei Khider jeder Station ein eigenes Kapitel mit einer eigenen Geschichte widmet. Die Einfühlsamkeit, mit der der Autor diese Polyphonie von Schicksalen zum Erklingen bringt und dabei die emotionale Lebenswelt der Menschen im arabischen Kulturkreis zu fassen kriegt, nimmt den Rezensenten dabei ganz und gar gefangen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.04.2013

Abbas Khider begleitet in seinem neuen Roman "Brief in die Auberginenrepublik" einen Brief, den Salim, ein irakischer Exilant in Libyen, seiner Freundin Samia nach Bagdad schicken will, berichtet Sabine Vogel. Zweihundert Dollar kostet die Lieferung, die mithilfe unterschiedlichster Kuriere ihren Weg zu Samia finden soll, ohne dabei in die Hände von Saddam Husseins Geheimdiensten und "Reisebüros" zu fallen. Der Autor wechselt mit jedem Kurier die Ich-Perspektive und erreicht so ein "dahingeplaudertes, vielstimmiges Tableau der arabischen Gesellschaft" der neunziger Jahre, erklärt die Rezensentin. Was es mit den "dürftig getarnten Maulwürfen" oder den "James-Joyce-lesenden Toten" auf sich hat, will Vogel nicht verraten, nur dass sie sich bei der Lektüre oft köstlich amüsiert hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013

Auch Abbas Khiders dritter Roman "Brief in die Auberginenrepublik" ist einfach genial, freut sich Rezensent Hubert Spiegel. Einmal mehr liest der Kritiker hier die lange vor der arabischen Revolution spielende Geschichte eines jungen unter der Willkürherrschaft des Diktators Saddam politisch verfolgten Irakers im illegalen Exil. In diesem Fall, so Spiegel, geht es um den jungen Salim, der sich als Bauarbeiter in Benghasi durchschlagen muss, nachdem er als Student in Bagdad nach der Lektüre verbotener Bücher von der irakischen Geheimpolizei verhaftet und gefoltert wurde. Gebannt liest der Rezensent nicht nur, wie der junge Exilant versucht, für zweihundert Dollar und mit Hilfe illegaler Kuriere einen Brief an seine Geliebte nach Bagdad zu senden, sondern auch, wie in dem multiperspektivisch erzählten Roman an jeder Station des Briefes immer weitere, teils obskure Figuren auftreten. Das Buch entfalte so ein Panorama des Alltagslebens in drei arabischen Ländern, berichtet Spiegel, dem hier viele Kleinkriminelle begegnen, die ihre Position ausnutzen, um Geld und Sex von wehrlosen Exilanten zu erpressen. Nicht zuletzt ist dieser meisterhafte Roman aber auch eine berührende Liebesgeschichte, lobt der angetane Rezensent.
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