Erwin Mortier

Belichtungszeit

Roman
Cover: Belichtungszeit
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518418857
Gebunden, 166 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm. Joris wächst bei Onkel und Tante auf; sein Vater ist früh gestorben, die Mutter nach Spanien gezogen - viel mehr weiß Joris nicht über sie. In Stuyvenberghe, seinem Dorf, geht es beschaulich zu; der Kirchturm schaut seit Jahrhunderten schläfrig auf die Häuser herunter, und selbst das Schloss mit den hohen, dunklen Zypressen verfällt auf pittoreske Weise. Bis der Gemeinderat eines Sommers bekanntgibt, dass die Gräber auf dem Kirchhof wegen Umbauten verlegt werden müssen. Das heißt: auch das Grab von Joris? Vater. Von dem hat Joris die allerschönste Vorstellung - und eine alte Keksdose mit wenigen Fotos, der Rest ist: unscharfe Erinnerung, Wunsch, Erfindung und die Geschichten der Verwandtschaft. Als Joris sich in diesem Sommer zum ersten Mal verliebt, wird das Unterscheiden von Erträumtem und Erlebtem, von Wunsch und Realität noch schwieriger.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.04.2007

Wiebke Porombka hat drei neue Kindheitsgeschichten gelesen, in denen alles andere als romantische Idylle herrscht. In seinem Roman "Belichtungszeit" beschwört der holländische Autor Erwin Mortier eine melancholische, einsame Kindheit und es scheint ihm vor allem um den Prozess des Erinnerns zu gehen, wenn der Erzähler durch alte Fotografien angeregt aus seinen frühen Jahren berichtet. Allerdings wirken die Schilderungen auf Porombka allzu angestrengt und insgesamt nicht wirklich überzeugend. Insbesondere die Vermittlung zwischen kindlichem Erleben und erwachsener Erinnerung findet sie nicht besonders gelungen und auf sie wirken diese Schilderungen wenig lebendig, obwohl sie spürt, wie sehr sich Mortier um den speziellen "proustschen Madeleinefaktor" bemüht.
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