Gerbrand Bakker

Der Umweg

Roman
Cover: Der Umweg
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518422885
Gebunden, 230 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. An klaren Tagen kann man in der Ferne das Meer sehen, und auf den verwunschenen Wegen rings um das alte walisische Farmhaus ist lange niemand mehr gewandert. Es ist ein schöner Flecken Erde, den Agnes sich als Versteck ausgesucht hat. Die Gedanken an das, was sie von Amsterdam vertrieben hat - ihr ahnungsloser Mann, der junge Student, vor allem aber die verstörende Angst vor dem Kommenden - lassen sich so leichter im Zaum halten. Nur manchmal wird ihr alles zuviel: dass der Fuchs sich eine Gans nach der andern holt oder dass der grobe Nachbarsfarmer schon morgens um neun in Socken vor ihr sitzt. Da nistet sich eines Tages der junge Bradwen bei ihr ein. Ähnlich wie Agnes gibt er kaum etwas über seine Vergangenheit preis. Und Agnes, die nicht mit dem Rauchen aufhört, weil sie sich dafür zu krank fühlt, stellt fest: Vorsicht und Zurückhaltung sind nur etwas für die Gesunden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2012

Andrea Lüthi richtet sich gut ein in den "Mikrokosmen", die die literarische Domäne des mit "enormer poetischen Kraft" gesegneten Autors Gerbrand Bakker sind und bei deren atmosphärisch dichter Schilderung Bilder entstehen, die den Leser "vielleicht länger noch als die Handlung des Romans" begleiten. So auch in diesem Roman über die niederländische Literaturwissenschaftlerin Agnes, die nach einer Affäre mit einem Studenten von Amsterdam nach Wales flüchtet, dort aber "nicht viel" macht, da sie offenbar - Bakker spricht wenig konkret an, erläutert Lüthi - schwer krank ist. Ausdrücklich lobt die Rezensentin dabei Bakkers Geschick, um Agnes "Chiffren und Bilder der Vergänglichkeit" zu gruppieren und die Figur immer dichter an die Welt der Tiere zu rücken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2012

Sehr lobend bespricht Rezensent Ernst Osterkamp Gerbrand Bakkers neuen Roman "Der Umweg". Der niederländische Blogger und Autor erzähle vordergründig die Geschichte um die Anglistik-Dozentin Agnes, die ohne das Wissen ihres Ehemannes Amsterdam verlässt und sich auf einen einsamen Bauernhof in Wales zurückzieht, um dort nicht nur über Emily Dickinsons misslungene Gedichte zu promovieren, sondern auch eine zarte Affäre mit einem jüngeren Mann zu beginnen. Dahinter, so Osterkamp, verberge sich jedoch eine herausragend erzählte Geschichte über das Sterben, die Bakker sowohl im Rückgriff auf die Poesie Emily Dickinsons, als auch mittels "atmosphärischer" und geradezu spürbarer Natur- und Landschaftsbeschreibungen kunstvoll andeute. Daneben erscheint dem Kritiker die Parallelhandlung um Agnes' Ehemann, der sich auf die Suche nach seiner Frau begibt und dabei mit einem schwulen Polizisten anbändelt, "verstörend flach". Als Erzähler des bäuerlichen Milieus, der Landschaft und der Tiere bleibe Bakker jedoch auch in diesem von Andreas Ecke brillant übersetzten Roman unschlagbar, meint der eingenommene Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2012

Fand Christoph Schröder schon Gerbrand Bakkers vorige zwei Romane ausgezeichnet, so preist er den vorliegenden sogar noch als Steigerung. Auch dieser Roman spielt auf dem Land, diesmal ist es die Doktorandin Agnes, die aus ihrer Ehe, ihrer akademischen Ausbildung, vor einer Affäre mit einem jüngeren Studenten und vor einer schweren Krankheit nach Wales geflüchtet ist. Der niederländische Autor lässt die Situation seiner Heldin, die sich erst nach und nach und dann nur fragmentarisch für die Leser zusammensetzt, vor allem in Andeutungen, in Gesten und Ausweichmanövern erkennen, stellt der Rezensent fest. Kurz, knapp und schmucklos entfaltet Bakker sein Szenario, wobei Schröder betont, dass sich hinter der kargen Erzählfassade dunkle "Obsessionen, Ängste und Aggressionen" verbergen. Es ist der schwankende Boden dieser Geschichte, der den Rezensenten so fasziniert, die feinen Hinweise auf die Sterblichkeit inmitten einer melancholischen Natur, die den Autor in seinen Augen zu einem "diabolisch guten Erzähler" machen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Einmal mehr hat sich Rezensent Alexander Pleschka von Gerbrand Bakker in eine bäuerliche Welt entführen lassen, die er schon aus den beiden bisherigen Romanen des Autors kennt. Auch in "Der Umweg" ist der Kritiker ganz angetan von der dezenten Liebenswürdigkeit und der "subtilen Ironie", mit der der niederländische Autor die Geschichte vom Ende des Landlebens erzähle. In Bakkers neuem Roman verschlägt es Pleschka auf einen abgelegenen Bauernhof in der detailliert beschriebenen walisischen Landschaft, auf den sich die Amsterdamer Literaturdozentin Agnes ohne das Wissen ihres Mannes zurückgezogen hat, um an ihrer Dissertation über die amerikanische Lyrikerin Emily Dickinson zu arbeiten. Mit Bewunderung liest der Rezensent wie es Bakker gelingt, die Verse Dickinsons so in seine Erzählung zu verweben, dass sie ein schlüssiges Bild seiner eigensinnigen Protagonistin und ihrer Lust am Morbiden ergeben. Der Kritiker hat schon viel über den Niedergang des historischen Bauernlebens gelesen - aber selten so ästhetisch beschrieben wie in diesem eindrucksvollen Roman.
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