Wenn das 19. Jahrhundert in der Philosophie der Wissenschaften den Aufstieg des Positivismus erlebte, so begann das 20. Jahrhundert mit einer Krise des positivistischen Denkens, ohne dass zunächst eine Lösung oder gar Alternative in Sicht gewesen wäre. Erst allmählich entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts ein komplexes, sozialhistorisch und denkhistorisch motiviertes Nachdenken über Wissenschaft, das in seinem Kern darin bestand, die Wissenschaftsphilosophie zu historisieren. Es entwickelten sich Formen einer historischen Epistemologie. Diese Bewegung muss in den breiteren Kontext der Dynamik der Wissenschaften und der sozialen und kulturellen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts gestellt werden. In dieser Einführung werden Positionen vorgestellt, die in diesen Historisierungsprozess eingegriffen und ihn gestaltet haben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2008
Als instruktive Einführung in die historische Epistemologie schätzt Rezensent Carlo Caduff dieses Buch von Hans-Jörg Rheinberger. Er findet hier einen konzentrierten, bündigen Überblick über diese Disziplin, die sich mit der Wissenschaft und insbesondere der Naturwissenschaft im historischen Kontext befasst. Die verschiedenen Positionen bedeutender Wissenschaftshistoriker des 20. Jahrhunderts wie Gaston Bachelard, Ludwik Fleck, Alexandre Koyre, Georges Canguilhem, Thomas Kuhn, Paul Feyerabend und Michel Foucault scheinen ihm "konzis" dargestellt. Auch der Unterschied zwischen historischer Epistemologie und klassischer Erkenntnistheorie wird in seinen Augen überzeugend erklärt.
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