Emmanuel Levinas

Emmanuel Levinas, 1906 als Sohn eines Buchhändlers im litauischen Kaunas geboren, wuchs in der jüdischen Tradition der rationalistischen "Mitnagdim", der Gegner des Chassidismus, auf, die großen Wert auf das Talmudstudium legten. Nach dem Studium der Philosophie in Straßburg (Entdeckung der Phänomenologie, 2 Gastsemester bei Husserl und Heidegger in Freiburg) absolvierte Levinas, Franzose geworden, seinen Militärdienst und wurde Studienleiter an einer jüdischen pädagogischen Fachhochschule, die er nach dem Krieg leiten sollte. Er war Wegbereiter Husserls und Heideggers in Frankreich. Im Zweiten Weltkrieg verbrachte er fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft in der Lüneburger Heide. Nach der Ermordung seiner ganzen Familie in Litauen schwor er sich, deutschen Boden nicht mehr zu betreten. Erst 1961 begann er mit seinem ersten Hauptwerk "Totalität und Unendlichkeit" seine Hochschulkarriere, die ihn über Poitiers und Nanterre an die Sorbonne führte. Bei Treffen der jüdischen Intellektuellen hielt er zahlreiche Talmud-Vorlesungen, die auch publiziert wurden. Seine Philosophie setzt die Andersheit des Anderen absolut und "übersetzt" die jüdische Ethik in die Sprache der Phänomenologie. Im Spätwerk drückt er die Traumatisierung durch die Verantwortung gegenüber dem anderen Menschen auch sprachlich - in der Zertrümmerung der Syntax - aus. Mehr unter www.bautz.de. Emmanuel Levinas starb 1995 in Paris. (Frank Miething)

Emmanuel Levinas: Neue Talmud-Lesungen.

Cover: Emmanuel Levinas. Neue Talmud-Lesungen. Neue Kritik Verlag, Wien, 2001.
Neue Kritik Verlag, Frankfurt am Main 2001
Übersetzung aus dem Französischen und Nachwort von Frank Miething.