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Elizabeth Bishop

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Wo wir die ganze Nacht wach sind

Vom Nachttisch geräumt 10.02.2020 […] Die amerikanische Dichterin Elizabeth Bishop (1911-1979) bedauerte in ihrem letzten Interview: "Ich habe den Eindruck. Dass die Leute nicht genug von der originären Erfahrung mitnehmen, die ein Gedicht ihnen bietet." Steffen Popp schreibt im Nachwort zu seiner Übersetzung ihrer Lyrik: "Unter ihren Szenerien und Interieurs liegen Kristalle, Albträume und Visionen; das ganze Instrumentarium der Moderne […] umgekehrte Welt, wo rechts immer links ist, wo die Schatten der wahre Körper sind, wo wir die ganze Nacht wach sind, wo die Himmel flach sind wie das Meer tief ist jetzt, und du mich liebst. Elizabeth Bishop starb am 6. Oktober vor 40 Jahren. Zur Erinnerung an sie hier noch eines meiner Lieblingsgedichte: "Eine Kunst" heißt es in Popps Übersetzung und auf Englisch beginnt es mit der Zeile: "The art […] werfen auf das Wurzelwerk der Wirklichkeit, ohne uns in der Illusion zu wiegen, wir wüssten Bescheid. Dichter lehren uns, wie wichtig es ist, Bescheid zu wissen, und wie wenig damit getan ist. Elizabeth Bishop: Gedichte, hrsg., übersetzt und mit einem Nachwort von Steffen Popp, Carl Hanser Verlag, München 2018, 351 Seiten, 32 Euro […] Von Arno Widmann

Die lose Welt

Tagtigall 24.11.2018 […] Elizabeth Bishop. Foto: Vassar CollegeJedes Mal wundert man sich neu, in welchem Ausmaß Dichter und Dichterinnen im Innern ihres Herzens Einzelgänger sind. Als im Januar 1975 im New Yorker Hannah Arendts Nachruf auf den Dichter und Freund W. H. Auden erscheint, erhält sie einen Brief von Elizabeth Bishop. Sie bedaure, schreibt diese darin, Auden nie kennen gelernt zu haben; sie habe nicht geahnt, wie […] ben, was du wohl 'gemeint' hast?" Das ist das wahre Ärgernis, gegen das Elizabeth Bishop angetreten ist. Ihre Dichterkollegin May Swenson drückte es anders aus: Beim Lesen der Gedichte, sagt sie, müsse sie diese immer mit eigenen Erläuterungen "möblieren", "because you've left yours out". Ja, ausgelassen hat Elizabeth Bishop vieles, absichtlich. So können wir es möblieren. Oder besser gesagt: die […] price we have to pay; If I could tell you I would let you know dachte? Oder vielleicht an In the deserts of the heart let the healing fountain start. Der heilende Brunnen der Poesie - bei Elizabeth Bishop ist er ein anderer als bei Auden. Bishop hatte zu Lebzeiten, das ist legendär, gerade mal 100 Gedichte zur Veröffentlichung freigegeben. In ihrem Nachruf, so schrieb sie einmal, solle erwähnt […] Von Marie Luise Knott