
Vor zwei Jahren wurde
Mariupol von Russland belagert und in Schutt und Asche gelegt. Heute baut die russische Besatzung den Ort zum
Urlaubsziel um. Wassilissa Ostapenko vom unabhängigen russischen Sender
Vot Tak (hier
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deutsche Übersetzung bei Dekoder)
fragt eine Familie aus Moskau, wie der Urlaub so ist. "Keiner von uns weiß, wann er sterben wird. Du kannst genauso zu Hause in der Badewanne ertrinken. Es gibt verschiedene Todesarten. Wir leben ins Blaue hinein und genießen es," erklärt der Familienvater Sascha am Strand. "Er fragt, ob ich einen Wodka mit ihm trinke. Ich lehne ab und bekomme Tee und Waffeln. 'Die Stadt wird neu gebaut', erzählt er. 'Aber die Bevölkerung ist nicht so offen, sag ich dir. Die Einheimischen sagen: Ihr habt uns noch gefehlt.' Oder: 'Fahrt doch in euer Sotschi oder nach Gelendshik', bekräftigt Katja. 'Gestern sitz ich in einer Bar, frage,
ob sie froh sind, dass sie jetzt zur Russischen Föderation gehören', setzt Sascha fort. 'Drei Männer saßen da - alle drei dagegen. Sie haben viel verloren hier, sind wütend: Der eine seine Firma, der andere seine Familie, der nächste sein Haus. Das gibt sich wieder, aber es wird mit einem Jahr nicht getan sein. Das kostet Zeit und Geld.' 'Krieg macht natürlich niemanden froh. Es ist
ein wenig unangenehm, aber wir können sie verstehen', sagt Katja versöhnlich. 'Was sollen wir denn tun? Noch sind wir in ihren Augen Besatzer. Noch. Mit der Zeit wird sich das einrenken.' 'Mariupol ist ja total zerstört, das habe ich beim Herfahren gesehen', erzählt Katja. 'Die Stadt war schon ein
gewisser Schock, aber die Kinder haben geschlafen und nichts mitgekriegt.' Ich sehe mich um. Solange man den Strand nicht verlässt, kann man nur an der am Horizont hochragenden Ruine des Sanatoriums Sdorowje (dt. Gesundheit) erahnen, was vor zwei Jahren in Mariupol passiert ist. Aber stehen nicht in jeder Stadt sowjetische Ruinen?"