Magazinrundschau - Archiv

The Free Press

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 28.04.2026 - The Free Press

Matti Friedman beschreibt in einem viel beachteten Artikel ein neues literarisches Genre, das er unter den Oberbegriff "Gazology" fasst. Es handelt sich um Bücher über den Gazakrieg, die weniger die Geschehnisse dort beschreiben, als dass sie ein "Narrativ" etablieren. Er nennt drei Beispiele "One Day, Everyone Will Have Always Been Against This" von Omar El Akkad, "The Destruction of Palestine Is the Destruction of the Earth" des Klimaaktivisten Andres Malm und "Die Welt nach Gaza" des allseits hochgeschätzten Postkolonialisten Pankaj Mishra. Allen drei Büchern ist nach Friedman gemein, dass es den Autoren weder auf Kenntnis des Terrains, noch auf Verankerung der eigenen Behauptungen in gesicherten Fakten ankommt. Hauptsache, man kann die Israeli des "Genozids" bezichtigen. "Dieses Wort ist der Schlüssel zu diesem Buch und zum gesamten Genre der 'Gazologie': Völkermord ist das Äquivalent zu Wasser in 'Dune', es ist die Substanz, die die Handlung vorantreibt. Wenn die Juden Völkermord begangen haben, können alle anderen endlich aufhören, über den an den Juden begangenen Völkermord nachzudenken, können sich ohne Schuldgefühle gegen den Staat wenden, der es den Juden zum ersten Mal ermöglichte, sich zu schützen, und können erleichtert in ihre Denkweisen aus der Zeit vor dem Holocaust zurückfallen - denn durch die Begehung des ultimativen Übels haben die Juden endlich bewiesen, dass diese Denkweisen richtig waren. Die Anschuldigung dient dazu, Gewalt gegen Israelis zu rechtfertigen, einschließlich rückwirkend die Gewalt des 7. Oktober, wodurch sie für einen von Palästinensern begonnenen Krieg verantwortlich gemacht werden. Der 'Genozid' von Gaza mag eine offensichtliche Lüge sein, aber als Geschichte ist er unwiderstehlich."

Magazinrundschau vom 21.04.2026 - The Free Press

In The Free Press erklärt Haviv Rettig Gur geduldig, dass es sehr unterschiedliche Arten von israelischen Siedlern gibt. Ein sehr großer Teil der Siedler sind ultraorthodoxe Juden, die ein paar hundert Meter weg von Jerusalem leben - und das zumeist, weil die Mieten hier billiger sind. Es gibt aber auch die messianischen Extremisten der "Hilltop Youth", die zwar eine sehr kleine Speerspitze bilden, aber von den rechtsextremen Politikern in Netanjahus Regierung, Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir zumindest gedeckt werden. Das Ausmaß der Siedlergewalt wird von den UN und westlichen Medien, deren Berichterstattung nicht immer von Kenntnis getrübt ist, meist übertrieben, so der Autor, aber die Gewalt der Radikalen ist nicht schönzureden. Rettig Gur wünscht sich, dass diese Terroristen von den israelischen Behörden genauso bekämpft werden wie palästinensische Terroristen. Sonst würde Israel den "Krieg der Narrative" vollends verlieren. Allerdings "bin ich widerwillig zu der Vermutung gelangt, dass zumindest Smotrich - und vielleicht auch Ben-Gvir, falls er sich überhaupt Gedanken über solche Dinge macht - wollen, dass Israel den Kampf um die Deutungshoheit verliert. Sie streben aktiv ein Israel an, das auf der Weltbühne isoliert ist, ein Israel, das bereits den internationalen Preis für die von ihnen befürwortete Politik bezahlt hat und dadurch eher bereit ist, Maßnahmen wie die Massenvertreibung der palästinensischen Bevölkerung aus dem Westjordanland und den Neubau von Siedlungen im Gazastreifen durchzuführen. Ein isoliertes Israel ist schließlich ein Israel ohne Einschränkungen. Wenn dieser Verdacht zutrifft, dann geht es bei ihrer Weigerung, dem Militär zu erlauben, hart gegen extremistische israelische Gewalt vorzugehen, nicht nur um politische Zweckmäßigkeit. Es ist ein bewusster Schachzug, um genau den Schaden zu vergrößern, den diese Gewalt derzeit dem Ansehen Israels zufügt."

Magazinrundschau vom 30.01.2024 - The Free Press

Mohammed Mushtahas Vater ist Imam und hat im Gazastreifen praktiziert, wo die Familie seit Generationen lebt. Am 30. Dezember wurde er von maskierten Männern der Hamas entführt, weil er nicht mit ihnen kooperieren wollte, erzählt sein im Gazastreifen lebender Sohn in dem von der amerikanischen Journalistin Bari Weiss gegründeten Magazin The Free Press. "Für die Hamas bedeutet Muslim zu sein, die Hamas zu unterstützen, und Menschen, die die Hamas nicht unterstützen, sind keine Muslime. Wenn man sich nicht an das hält, was die Hamas einem sagt, verliert man seinen Job oder Schlimmeres. Um meinen Vater auf Linie zu halten und sicherzustellen, dass er nur von der Hamas genehmigte Freitagspredigten hält und der Hamas erlaubt, seine Moschee als geheimes Waffendepot zu nutzen, haben sie meinen Bruder und mich zwischen 2016 und 2019 mindestens zehn Mal verhaftet. Manchmal sprachen sie höflich mit uns, manchmal forderten sie uns auf, uns 'um eurer Schwestern willen' zu fügen, aber im Hintergrund stand immer die Androhung von Gewalt. Und mehrere Male wurden wir vor den Augen unseres Vaters geschlagen und gedemütigt. Sie schlugen auch ihn, einmal erblindete er fast. Er wurde gezwungen, Dinge für die Hamas zu tun, Geld zu verschieben, Dinge zu lagern, ihre Geheimnisse zu bewahren. ... Seit dem Krieg hat die Hamas enormen Druck auf die Imame ausgeübt, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass ihre einzige Wahl 'der Widerstand' ist. Schulen und Universitäten funktionieren nicht; das einzige, was die Menschen anzieht, ist das Gebet. Aber jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem fast jeder in Gaza sagt, dass die Hamas den Tod von 20.000 Menschen in Gaza und die Verletzung von 50.000 weiteren verursacht hat. Als die Gruppe also von meinem Vater verlangte, in eine Schule zu gehen, in der Tausende von Vertriebenen untergebracht sind, und sie aufzufordern, sich dem 'Widerstand' anzuschließen - der Hamas zu vertrauen -, lehnte er rundweg ab. Mein Vater kennt den Unterschied zwischen richtig und falsch. Er wusste, dass seine Weigerung, als Sprachrohr für die Hamas zu fungieren, seinen Tod zur Folge haben könnte, und dennoch weigerte er sich. Er hat ein reines Gewissen. So wie jeder, der weiß, was wirklich mit ihm geschehen ist und warum."
Stichwörter: Gaza, Hamas, Gazastreifen, Weiss, Bari