Fachkraft gesucht Intervention 05.09.2022 Die Intendantenkrise im RBB zeigt vor allem, dass zumindest Teile von Politik und öffentlich-rechtlichen Medien den "inneren Kompass" für ihre Rolle in der Gesellschaft verloren haben. Dreierlei muss ein neuer Intendant, eine neue Intendantin mitbringen: Erstens: unangefochtene moralische Integrität. Zweitens: Journalistische Brillanz und damit kritische Distanz zur Berlin/Brandenburger Politik. Drittens: Managerwissen. Von Max Thomas Mehr
Engelsgleiche Idealfigur Intervention 29.08.2022 Vor 25 Jahren starb Lady Diana bei einem tragischen Autounfall. Ihr Tod löste einen bis dahin unbekannten Tsunami an populären Trauerbekundungen aus, die vielleicht ein Vorzeichen einer gefährlichen Tendenz waren: Wenn demokratische Gesellschaften und ihre Diskurse von Gefühlen überschwemmt werden, die sich der Kontrolle durch Rationalität und institutionelle Verfahren entziehen, öffnet das antidemokratischer Willkür die Tore. Von Richard Herzinger
Unter Berufung auf Religion Intervention 29.08.2022 Saba-Nur Cheema und Meron Mendel setzen in ihrer FAZ-Kolumne die Mohammed-Karikaturen mit den antisemitischen Zeichnungen der Documenta 15 gleich. Die beiden sind einflussreich und werden von der Politik gern als Experten konsultiert. Umso ärgerlicher ihre Falschbehauptungen. Von Thierry Chervel
Zu erwartende Konfrontation Intervention 15.08.2022 Auf Israel kommt immer drängender eine strategische Grundsatzentscheidung zu: Soll es an seiner Taktik festhalten, Konflikten mit Russland möglichst aus dem Weg zu gehen - und sich damit tendenziell von Moskaus Willkür abhängig machen? Oder soll es dem russischen Vorherrschaftsstreben im Nahen Osten offensiv entgegentreten? Von Richard Herzinger
Das Manöver ist nicht neu Intervention 29.07.2022 Die russische Propaganda stellt ihren Vernichtungskrieg gegen die Ukraine zunehmend als Vorbild für den "antikolonialistischen" Widerstand gegen die globale Vorherrschaft des Westens dar. Damit folgt er einer Rhetorik, die vor allem in den Autokratien des "globalen Südens" - ebenfalls eine problematische Vokabel - auf einen freundlichen Widerhall stößt. Die notwendige Aufarbeitung kolonialer Verbrechen des Westens darf nicht zur Aufgabe universaler Normen führen. Von Richard Herzinger
Historischer Entscheidungskampf Intervention 01.06.2022 Fast vergessen ist angesichts des Grauens von Putins Angriffskrieg in der Ukraine, wie schmählich die westlichen Länder in diesem Jahr schon mal versagten: nämlich in Afghanistan. Die Frauen, die sich nun wieder nur noch vollverschleiert in der Öffentlichkeit bewegen dürfen, zahlen den Preis als erste. Es ist zwar schwer vorstellbar, dass der Westen die Ukraine ähnlich leichtfertig im Stich lassen könnte. Aber er wird Putin nicht besiegen, indem er ihm einen "gesichtswahrenden" Ausweg anbietet. Von Richard Herzinger
Parallele Irrtümer Intervention 18.05.2022 Der Ukraine-Krieg legte offen, dass die Mentalität des "Wandels durch Handel" und der "Friedlichen Koexistenz" an Komplizentum grenzen kann. Diese Mentalität dominiert aber mitnichten nur in der Außenpolitik, sie ist auch Leitlinie bei innenpolitischen Konflikten, etwa mit dem Politischen Islam. Von Peter Mathews
Der Lohn für unsere Kollaboration Intervention 19.04.2022 Wir haben noch gar nicht begriffen, dass wir bereits als Besiegte in Putins Krieg hineingehen. Es sind ja nicht nur die 55 Prozent des Gases, das wir konsumieren und für das wir Putin brauchen. Wir sind abhängig vom Gas und abhängig vom Geld fürs Gas, das die Russen schließlich bei uns ausgeben. Um diesen Preis haben wir weggesehen, und Gerhard Schröder setzte für Putin sein untertänigstes Lachen auf. Von Thierry Chervel
Das ganze Ausmaß der Gefahr Intervention 14.04.2022 Von Hitler bis Putin: Wie in einem Wiederholungszwang reproduziert sich im Westen bis heute dasselbe Muster aus hartnäckiger Verleugnung oder Beschönigung des Bösen und dem jähen bösen Erwachen aus der Illusion, ökonomischer und wissenschaftlicher Fortschritt werde unausweichlich globale gesellschaftliche Humanisierung nach sich ziehen. Gewarnt hatte André Glucksmann - schon seit den Tschetschenien-Kriegen. Ihm erging es wie Kassandra. Von Richard Herzinger
Mitten in der Beethovenmusik Intervention 25.03.2022 Bleibende Katastrophen, werdende Katastrophen. Davon muss gesprochen werden, davon werde ich sprechen und ganz unliterarisch aus dem vorgesehenen Rahmen der Veranstaltung fallen, werde nicht von der Sache sprechen, derentwegen ich in die mir bislang unbekannte Stadt eigentlich eingeladen wurde. Das zumindest nahm ich mir vor beim Einbiegen in die letzte große Linkskurve zum Ort der Veranstaltung - Gedanken eines Autors bei der Reise zu einer Lesung über eine Katastrophe, die angesichts der aktuellen Katastrophe verblasst. Von Lacy Kornitzer
Putins Kalkül Intervention 13.01.2022 Mit seinen Drohgebärden möchte Wladimir Putin einen Keil zwischen Europa und die USA treiben. Zwar trifft es zu, dass der Kreml-Chef die Wiederherstellung des sowjetischen Machtbereichs betreibt. Ideologisch steht er jedoch der "Reichsidee" des ethnischen Nationalismus und der "Großraum"-Vision Carl Schmitts näher als den kommunistischen Maximen, mit denen einst der sowjetische Totalitarismus seinen Anspruch begründete. Von Richard Herzinger
Mit Vorliebe instrumentalisiert Intervention 26.11.2021 Für Anfang Dezember hat US-Präsident Joe Biden einen "Gipfel für Demokratie" mit über hundert Teilnehmerstaaten einberufen, an sich eine gute Initiative, da die Demokratien angesichts aggressiver Autokratien in die Defensive geraten sind. Damit er gelingt, bräuchte der Gipfel eine intensive Vor- und Nachbereitung. Um so bedrückender, dass es darüber bisher kaum eine Diskussion gibt. Von Richard Herzinger