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Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Essay

GELD, PRAXIS, TRANSPARENZ

Zur Kritik an der Sonderausgabe von volltext Von Georg Klein
04.04.2006. Der Deutsche Literaturfonds will eine Sonderausgabe der Zeitschrift volltext mit 300.000 Euro unterstützen. Das wurde in den letzten Tagen heftig kritisiert. Von Korruption war die Rede. Wer für solche Entscheidungen Transparenz verlangt, hat Recht. Er tut aber auch gut daran, damit bei sich selbst anzufangen.
1. GELD:

Die Leser, das große Herz der Literatur, wissen meist gar nichts davon: Der deutsche Literaturbetrieb lebt zu einem erheblichen Teil von Geldern der öffentlichen Hand. Viele der Texte, die wir schätzen oder geringschätzen, wäre ohne die direkte oder indirekte Förderung aus kommunalen Töpfen, Landes- und Bundesmitteln entweder erst gar nicht entstanden oder nicht in Druck gegangen. Die deutsche Autorenexistenz, wie wir sie kennen, ist in der Regel eine zumindest teilsubventionierte. Und wer als Schreibender nicht an die einschlägigen Töpfe kommt, ist erst einmal arm dran.

An den nährenden Töpfen sitzen zudem nicht nur die Autoren. Auch freie Kritiker, Zeitungs-, Rundfunk- und Fernsehredakteure sichern sich über Moderationshonorare, Jurymitgliedschaften und Podiumsdiskussionen einen Teil des respektablen Kuchens. Sogar Verlage und Zeitschriften suchen und erhalten öffentliche Gelder zur Realisierung ihrer Projekte. Beim Deutschen Literaturfonds ist für literarische Arbeit relativ viel Geld zu holen.

So geht es in der Welt des Literaturbetriebs zu, und wer in dieser Welt eine Rolle spielt, tanzt in der Regel nicht nur auf einer Hochzeit. Um mich selbst an der existenziellen Nase zu fassen: Seit acht Jahren veröffentliche ich erzählende Prosa in renommierten Verlagen, schreibe aber auch für verschiedene Zeitungen, Magazine oder den Rundfunk, lasse mich von Veranstaltern zu Lesungen, Podiumsdiskussionen und Tagungen einladen, versuche Preise und Stipendien zu ergattern und bin zweimal in Jurys gesessen, die etwas zu vergeben hatten.

2. PRAXIS:

Gunther Nickel ist Lektor des Deutschen Literaturfonds. Davor war er bereits als Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Kritiker im Betrieb präsent. Ihm nun vage moralisierend vorzuwerfen, daß er gelegentlich Beiträge für die Literaturzeitung volltext geschrieben hat, zeugt - gelinde gesagt - von einer erstaunlichen Blindheit gegenüber dem eigenen Tun. Denn jeder, der bis jetzt in dieser Sache das Wort ergriffen hat, ist selbst gewohnt, unterschiedliche Bühnen zu bespielen, hat von verschiedenen Einrichtungen des Betriebes profitiert, hat seine Fähigkeiten, sein Geltungsgewicht, seine Informations- und Vernetzungspotenz oder seine Macht als Sesselinhaber von Fall zu Fall einzubringen verstanden.

Jemand in den Ruch von Korruption zu bringen ist billig. Auf den wohlfeilen Konjunktiv zu verzichten und konkrete Korruptionsvorwurf zu formulieren und zu begründen, verlangt hingegen mehr Mut, denn es ist unter Umständen mit Risiko verbunden.

Die Literaturzeitung volltext ist im Geflecht dieses Betriebes ein relativ junger Spieler. Das erfolgreiche Vertriebs- und Redaktionskonzept hat ihren Machern sowohl Anerkennung wie Mißgunst eingebracht. Auch dies ist normal. Jeder Kulturbetrieb ist zugleich eine Schlangengrube. Wo Geltung Geltung verdrängen muß, wo die Ressource Aufmerksamkeit knapp ist, liegen überschwengliche Begeisterung und niederziehender Neid nahe beieinander.
Was meine Verwicklung angeht: Ich habe seit 1983 regelmäßig versucht, ein Stipendium des Literaturfonds zu erhalten. Es ist mir einmal 1999 geglückt. Ich habe zweimal Beiträge für den volltext geschrieben, diese sind betriebsüblich honoriert worden, und ich habe an zahlreichen Leserreaktionen festgestellt, daß das Blatt im ganzen deutschsprachigen Raum gelesen wird.

3. TRANSPARENZ:

Was wollen wir, die Betriebsteilnehmer und die am literarischen Leben interessierte Öffentlichkeit, über die geplante, vom Deutschen Literaturfonds unterstützte Sonderausgabe der Zeitung volltext wissen. Vor allem zwei Dinge:

1.Wer bestimmt den Inhalt und trägt demzufolge die redaktionelle Verantwortung für ihn?

2.Wie wird das Sonderheft genau vertrieben werden? Welche Leser soll und kann das Heft also wirklich erreichen?

Alle weiteren Fragen scheinen mir von diesen Kernfragen abhängig. Im Zusammenhang mit ihrer Beantwortung wird weiter über den Blattinhalt, Interessen, Einflußnahmen, Exklusion und Inklusion diskutiert, geschimpft, geklagt und wohl auch intrigiert werden. Wer für diese Prozesse Transparenz verlangt, hat Recht. Er tut aber auch gut daran, damit bei sich selbst anzufangen: Fühle ich mich ausgeschlossen? Möchte ich Einfluß nehmen? Wenn ja, zu welchem Engagement bin ich bereit? Sind meine betrieblichen Interessen tangiert, beeinträchtigt? Oder gehen schlicht mein professioneller Neid und meine betriebliche Mißgunst mit mir durch?

Archiv: Essay

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22.04.2016. Die Auseinandersetzung mit der AfD vor dem Hintergrund der Flüchtlingsfrage wird der Lackmustest für die deutsche Demokratie. Bislang hat die deutsche Politik den Rechtsextremismus schmählich verdrängt - das Versagen im NSU-Skandal reichte bis in die Spitzen des Apparats. Auf die Fünfprozenthürde für die AfD bei den Bundestagwahlen darf keiner mehr hoffen. Wie also umgehen mit der AfD und den von ihr instrumentalisierten Themen? Mehr lesen

Wolfram Schütte: Jokoser Totschlag

11.04.2016. Weil Jan Böhmermann davon ausging, mit seinen ekligen Sottisen auf primitivster Art über den türkischen Autokraten herziehen zu können, ohne dass er juristisch dafür belangt werden könnte, hat Angela Merkel nun den Salat. Sein Schmähgedicht ist nicht Satire. Mehr lesen

Pascal Bruckner: Neokoloniale Verachtung

26.02.2016. Eine Gruppe von "Experten" nimmt ihren ganzen Mut zusammen, um kollektiv gegen die Meinungsäußerung eines für sich sprechenden Autors zu protestieren. Kamel Daoud wird durch ihre Petition zum Apostaten gestempelt. Er hat sich die Freiheit genommen, die eigene Sphäre zu kritisieren, ein Recht das ihrer Meinung nach nur westlichen Intellektuellen zusteht. Eine Antwort an die Adresse der Wachhunde der Fatwa. Mehr lesen

Daniele Giglioli: Die Willkür unseres Wohlwollens

27.01.2016. Ist es statthaft, Flüchtlinge nicht als Opfer zu sehen, ihnen nicht mit Mitgefühl zu begegnen? Absolut, meint der italienische Literaturwissenschaftler Daniele Giglioli. Denn die Adressierung als Opfer, so gut sie auch gemeint sein mag, verhindert die Auseinandersetzung auf Augenhöhe, gerade auch über unterschiedliche Kultur- und Gesellschaftsvorstellungen. Mehr lesen

Eva Quistorp: In zig Alltagssituationen

18.01.2016. Die einen missbrauchen das Ereignis. Die anderen polemisieren gegen diesen Missbrauch. Keiner kümmert sich um die, um die es wirklich geht: die Frauen zuerst. Und dann die ungeheure Integrationsarbeit. Mehr lesen

Diedrich Diederichsen, Simon Rothöhler: Der Stoff für alle

18.12.2015. Ist der Höhepunkt moderner Serienerzählung bereits überschritten? Oder treten wir in die Lelouch-Phase der Serie ein? Sind Serien immer noch der einzige Stoff, über den sich alle unterhalten können? Und was ist mit ihrem Anspruch auf Gegenwartsdeutung? Ein Gespräch über Serien. Mehr lesen

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24.11.2015. Macht es einen Unterschied, ob Demokratien wegen ihrer "Werte" oder ihrer "Prinzipien" gehasst werden? Letztlich können moderne Gesellschaften auf den Begriff der Werte nicht verzichten, weil auch ihre Rechtsgrundsätze sich aus Werten ableiten. Eine Antwort auf Gustav Seibt. Mehr lesen

Katharina Hacker: Was man für richtig hält

21.11.2015. Warum Beschreibung jetzt wichtig ist, ebenso wichtig wie der Versuch, gemeinsam nachzudenken, statt sattsam bekannte Polemiken zu pflegen. Antwort auf Oliver M. Piecha. Mehr lesen

Oliver M. Piecha: Die Konturen der Attentäter

20.11.2015. Katharina Hacker singt eine sehr alte Weise: das Lied vom Terroristen als eigentlichem Opfer. Mehr lesen

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19.11.2015. Ausgerechnet einen "Sterbefilm" als Rahmen filmischer Selbst-Reflexion zu benutzen, müsste sich schon der exklusiven Ernsthaftigkeit des Themas wegen von selbst verbieten - Nanni Moretti aber gewinnt damit ein experimentelles Verhältnis zu Sterben und Tod. Über "Mia Madre". Mehr lesen

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19.11.2015. Wir sollten daran festhalten, die vielfältigen, oft zumindest funktionierenden Formen des Zusammenlebens offenen Auges zu beschreiben, denn diese Beschreibung ist vielleicht, was den gemeinsamen Grund schafft, gegen die Schnelligkeiten des Tötens aufzustehen. Eine Antwort auf Necla Kelek. Mehr lesen

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13.11.2015. Fotobücher feiern eine ungeheure Konjunktur. Sie sind nicht fürs Gucken, was Vinyl fürs Hören ist, kein Retroformat, sondern geradezu eine Folge der Digitalisierung. Und gleichzeitig ein Gegenraum zum Netz. Notizen eines gefährdeten Betrachters. Mehr lesen

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12.11.2015. Erst wenn man anfängt, Gabriele Goettles Reportagen als Ganzes zu sehen, zeigt sich die Dimension des Unternehmens, an dem sie jetzt seit fast dreißig Jahren arbeitet. Ich weiß nicht, seit wann Gabriele Goettle bewusst ist, dass sie an einer einzigen riesigen vielstimmigen Komposition sitzt. Eine Laudatio. Mehr lesen

Pascal Bruckner: Cultiver notre jardin

10.11.2015. Am Ende zieht André Glucksmann aus Voltaires "Candide" eine ganz bescheidene Folgerung: Wir müssen unseren Garten bebauen und ihn verteidigen: Europa, die einzige auf Transzendenz verzichtende Zivilisation. Mehr lesen