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Essay

Das Kapital der Kritik

Von Ekkehard Knörer
18.12.2008. Hü und Hott der Sperrfristen - oder gleich Presseboykott. Über das Gerangel um Exklusivität und Schnelligkeit aus Anlass des großen Gegackers über die faden Filme "Buddenbrooks" und "Operation Walküre".
Vorgestern in der SZ und in der Welt und im Tagesspiegel: Tobias Kniebe (sehr bemüht, seine vorschnell hinausposaunte Meisterwerk-Diagnose nicht zu blamieren), Hanns-Georg Rodek (in Maßen enttäuscht) und Jan Schulz-Ojala (sehr kritisch) schreiben über "Operation Walküre" - den Film also, über dem schon lange vor seiner Fertigstellung Kniebe selbst, außerdem der große deutsche Oscar Florian Henkel von Donnersmarck und der bedeutende Apokalyptiker Frank Schirrmacher sich mit irrem Gegacker zum Huhn gemacht haben ("Deutschlands Hoffnung heißt Tom Cruise", "Wir in ihren Augen"). Kniebe schreibt freilich über die New Yorker Premiere des Films, im Untertitel zur Welt-Kritik wird sie immerhin schamvoll erwähnt und Jan Schulz-Ojala informiert die Leser darüber, dass eine eigentlich geltende Sperrfrist jetzt nicht mehr gelte. Jordan Mejias dagegen hat gestern in der FAZ nur erste US-Kritiker-Stimmen referiert, einen Text über den fertigen Film gab es in der Zeitung, die das große Geheul einst angestimmt hatte, bisher nicht. Heute veröffentlicht Cristina Nord in der taz eine Kritik zu "Operation Walküre".

Was hinter diesen leise herumdrucksenden und New York ins Feld führenden Artikeln steckt, ist eine Sperrfrist, von deren Aufhebung offenbar auch nicht jeder erfahren hat. Es hat nämlich in Deutschland sehr wohl Voraufführungen des Films für die Presse gegeben. Für Berlin kann ich's bezeugen, denn ich war drin. Das war aber ein relativ exklusives - nämlich genau 132 Journalistinnen und Journalisten vergönntes - Vergnügen. Ich habe von Fällen gehört, in denen Leute erst ein-, dann wieder ausgeladen wurden. Ein Bekannter von mir hat sich vorher per E-Mail anzumelden versucht und wurde in beinahe rüder Manier abgewiesen. JedeR, der oder die dann aber reinkam in die Pressevorführung, musste einen Zettel unterschreiben und mit der Unterschrift versichern, dass er oder sie nicht vorzeitig über den Film schreibt. Die erste, strengste ursprünglich geltende Sperrfrist ist heute abgelaufen, ausführliche Kritiken freilich waren von Verleiherseite erst in der Nähe des eigentlichen deutschen Starttermins am 22.1. erwünscht. Keine Ahnung, ob das nun noch gilt. Wohl eher nicht. Mit ziemlicher Sicherheit haben die Verantwortlichen sich da sowieso wenig Illusionen gemacht, sondern, darauf deutet die vorzeitige Aufhebung der Sperrfrist, die Artikel als Werbe-Mitnahme-Effekt durchaus eingeplant.

Trotzdem ist der Fall symptomatisch. Man kann darüber auch in der Welt von heute lesen, in der Hanns-Georg Rodek und Gerhard Midding am Beispiel Til Schweiger (und am gleich gelagerten, aber noch einmal dreister formulierten) französischen Fall von Etienne Chatiliez' Komödie "Agathe Clery" Praktiken von Verleihern schildern, die zusehends in Mode kommen. Manche Filme werden (wie bei den beiden genannten Beispielen) der Presse gar nicht mehr in Voraufführung gezeigt. Gerne verbinden sich da zwei einander widersprechende rhetorische Muster der Kritiker-Verachtung: Erstens, heißt es gerne, interessiert eh keinen, was ihr zu sagen habt. Und zweitens lassen wir uns unseren schönen Film von euch nicht kaputtmachen. Man sieht sich als Kritiker also mit Mimosen konfrontiert, die höchst empfindlich auf Kritik reagieren, von der sie zugleich behaupten, dass sie sie gar nicht tangiert. Til Schweiger ist nur der eklatanteste Fall solcher bizarren Minderwertigkeitskomplexe.

Als Parallelentwicklung zur noch sehr seltenen Totalverweigerung ist zu beobachten, dass die großen Blockbuster in immer geringerem Abstand zum Kinostart (ein paar Tage sind inzwischen durchaus üblich) der Presse vorgeführt werden. Das ist allerdings eher der Kollateralschaden der grassierenden Angst vor Raubkopien - der immer stärkeren Heranrückung internationaler Starts an den Termin nämlich, zu dem die großen Filme in den USA selbst anlaufen.

Den Tageszeitungen und den Internet-Publikationen macht das wenig aus, für Presseorgane mit längeren Vorlauffristen (Wochen- oder Monatsmagazine) ist das höchst problematisch. Sie suchen dann manchmal Ersatzlösungen in anderen journalistischen Formaten - Interviews, Porträts -, aber eigentlich geht das, wie auch Rodek und Midding schreiben, strikt gegen die Ehre des Kritikers und der Kritikerin, denn das wichtigste Kapital der Kritik ist schließlich eine eigene und begründete Haltung zum Gegenstand. Wenn man den nicht kennt, wird das naturgemäß schwierig.

Die Vorlage von Sperrfrist-Verträgen ist nun der neueste Trend. Constantin hat sich da als Vorreiter hervorgetan, als es den wenigen BesucherInnen seiner höchst exklusiven Baader-Meinhof-Voraufführungen Konventionalstrafen in Unsummenhöhe in die Sperrfrist-Verträge schrieb. Andere Verleiher ziehen inzwischen vermehrt nach, teils bekommt man die zu unterschreibenden Abmachungen bereits mit der Einladung zur Pressevorführung nach Hause geschickt, mit der Aufforderung, sie ins Kino mitzubringen. Nun sind Sperrfristen nicht per se etwas, das man verurteilen müsste. Auf dem Feld der Literatur und der Musik, wo man als Kritiker teils sehr frühzeitig (oft, bei literarischen Texten, schon mit Fahnenabzügen des Werks Monate vorher) bemustert wird, sind sie immer schon üblich. Beim Film hat sich das Modell - hierzulande jedenfalls - nicht durchgesetzt. Es gab auch kaum Probleme, solange die Kritiken fast ausschließlich termingerecht und konsumptionskompatibel zum Deutschlandstart der Filme erschienen.

Das hat sich inzwischen geändert. Zum einen durch das Internet, wo es selbstverständlich nichts als Vorteile bringt, frühzeitig dran zu sein mit der eigenen Kritik zum Film. Abgesehen dadurch, dass oftmals doch der US-Start noch früher liegt und die Rezensionen im Internet für alle Englisch Lesenden lange vor Deutschlandstart greifbar sind. Aber auch die Print-Publikationen vermitteln in den letzten Jahren immer stärker den Eindruck, massiv unter Zeitdruck zu sein. Ausgerechnet die sonst so bedächtige Tante Zeit macht sich inzwischen einen Sport daraus, bei aufmerksamkeitsträchtigen Filmen auch mal eine ganze Woche vor dem eigentlichen Start mit einem Text zur Stelle zu sein - was viel absurder ist als bei der am Sonntag erscheinenden FAS, die tatsächlich immer ein paar Tage später dran wäre als der Rest, wenn sie nicht im voraus über die Neustarts schriebe. Was sie darum selbstredend tut.

Problematisch an den Sperrfristen und den damit in der Regel verbundenen Exklusiveinladungen ist nun, dass sie das gerade Gegenteil von dem erreichen, was sie der offiziellen Behauptung nach im Sinn haben: Sie produzieren nämlich Ungleichheiten unter den Berichterstattern. Die nominell gültige Regel, dass für alle die gleichen Bedingungen gelten sollten, tritt ganz offensichtlich außer Kraft. Mit den Realitäten hat sie ohnehin wenig zu tun. Aufgrund mannigfacher personeller Vernetzungen, multifunktionaler Besetzungen, von Geldflüssen, gewährten oder nicht gewährten Refinanzierungsmöglichkeiten, Vorteilen und Exklusivitäten, Rücksichtnahmen und Druck von oben, unten und seitwärts in Feuilletons kann von Gleichheit oder Neutralität im Rezensions- und Berichterstattungs-Business ohnehin nicht die Rede sein. Welche manchmal ungeheuren Flieh- und Druckkräfte da am Werk sind, kann man den einzelnen Texten ja zum Teil sehr wohl ansehen oder ablesen, wenngleich man natürlich nie genau weiß, wer jetzt wieder welches (und ein wie großes) Rad gedreht hat. (Aber man frage sich doch mal, wie es mit dem Ethos des Kritikers zu vereinbaren ist, als Hofberichterstatter über die Dreharbeiten der "Buddenbrooks" - Willi Winkler in der SZ - oder am Roten Teppich über die Gala-Premiere des Films - Edo Reents in der FAZ - zu informieren. Wer sich dabei auf das Interesse der Leserinnen und Leser hinausreden will, dürfte von den anderen Interessen, die da im Spiel sind, freilich nicht schweigen.)

Angeschmiert sind im Fall der "Operation Walküre" eben drum jetzt all jene, die entweder gar nicht eingelassen wurden zur Voraufführung oder von der Sperrfrist-Aufhebung nichts erfahren haben. Grundsätzlich muss man sich über das Vorpreschen auch bei gültigen Sperrfristen nicht wirklich wundern, ist es doch schon auch der Ausdruck genuin journalistischer Werte. Schließlich sind und bleiben Exklusivität und Schnelligkeit - als Inbegriff von "News" - allerhöchste Güter in unserem Metier. Gewiss, die berufsübliche Gier, erster zu sein, steht der Kritikerin und dem Kritiker nicht so gut an, die ihrer Selbstbeschreibung nach tiefer schürfen und länger nachdenken wollen sollten. Andererseits werden sie - selbstverständlich - gerne von ihren Chefredaktionen unter Druck gesetzt, die im eigenen Blatt möglichst schnell auch zu Themen etwas lesen wollen, zu denen anderswo schon was steht.

All diese Schließmuskelprobleme sind im Grunde vor allem Symptom von Kontrollverlusten. Die großen Feuilletons kontrollieren die öffentliche Wahrnehmung nicht mehr und rudern wie wild und immer hektischer, um Reste von Diskurshoheit zu wahren. Die großen Verleiher sehen sich ihrerseits einem ganz ungeregelten Feld von großen, kleinen und winzigen Berichterstattungseinheiten und illegalen digitalen Verteilungsstrukturen gegenüber. Alles, was man erlebt, von Sperrfristen zu Kontrollmanien, vom Ausschluss der Internet-SchreiberInnen zur Ansetzung von superexklusiven Geheim-Vor-Voraufführungen, aber auch die Gegenreaktionen - Gegacker im Vorfeld, Kampagnen um der Kampagne willen - sind Panikreaktionen auf ein sich dramatisch veränderndes Feld. So recht die Übersicht hat keiner mehr und manchmal kann man nur staunen: Ausgerechnet die FAZ, die erst das größte Gezeter machte, hält jetzt erst mal die Klappe und verhält sich mithin vorbildlich. (Mal sehen, was noch kommt.)

Selbstverständlich ist das, was diesen Druck und seine Effekte erzeugt, in erster Linie das investierte Kapital. 90 Millionen Dollar hat "Operation Walküre" gekostet, 16 Millionen Euro stecken - auch wenn man es bei Gott nicht sieht - in den "Buddenbrooks". Man muss eben darum höllisch aufpassen, nicht durchs bloße Mittun bei der Fokussierung der Aufmerksamkeit auf zwei wirklich nicht interessante Filme, deren Geschäft nolens volens mitzuerledigen. Das Problem, andererseits, mit dem Schweigen: Es wird selbst im besten Fall nur von kleinen Kreisen wirklich bemerkt.

Die Alternative ist übrigens simpel, wenngleich mit den Gesetzmäßigkeiten des massenmedialen Journalismus kaum vereinbar: Man muss einfach nur groß berichten über das, was großartig ist, aber selbst nicht das Kapital und die Beziehungen und weiß der Teufel welche anderen Mittel hat, Aufmerksamkeitsdruck zu erzeugen. Das ist durchsetzbar in der Jungle World oder der taz. Anderswo gelegentlich, aber selten. Das Internet dagegen, sehen Sie, da sage ich es schon wieder, bietet - als Nicht-Massenmedium par excellence - die perfekten Strukturen, kleine Aufmerksamkeitsströme zu erzeugen auf Gegenstände, die die Massenmedien aus guten, bzw. schlechten Gründen ihrer internen Logik nicht oder selten nur in den Blick nehmen wollen - oder auch können. In der Blogosphäre kümmern die "Buddenbrooks" oder "Operation Walküre" tatsächlich kaum einen. Die Aufregung, zeigt sich, ist zum großen Teil durch Telefongespräch oder E-Mail gewordene Wünsche des produzierenden Kapitals oder durch Erster-Sein-Gier induziert.

Der Stauffenberg-Film übrigens ist weder besonders schlimm noch sonderlich interssant. Näheres dann am 21. Januar.

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