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Yehuda Bauer

Die dunkle Seite der Geschichte

Die Shoah in historischer Sicht. Interpretationen und Re-Interpretationen
Cover: Die dunkle Seite der Geschichte
Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783633541706
Gebunden, 385 Seiten, 32,72 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Christian Wiese. War die Shoah eine einzigartige geschichtliche Katastrophe? Inwieweit ist sie mit anderen Völkermorden der Vergangenheit und Gegenwart vergleichbar? Der israelische Historiker Yehuda Bauer lässt sich von diesen Fragen zu einer neuen umfassenden Deutung der Shoah herausfordern: Die Shoah ist für ihn, der sich allen Mystifizierungsversuchen widersetzt, ein aus der Vernichtungsideologie der Nazis erklärbarer Genozid ? die dunkle Seite der Geschichte, die bei der Reflexion gegenwärtiger politischer Verhältnisse immer mitbedacht werden muss.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.12.2001

Micha Brumlik empfiehlt diese "luzide übersetzten" Studien als Grundlage einer Diskussion darüber, "was 'Globalisierung' des Holocaust in Kultur, Moral und Politik heißen könnte". Der Autor, so Brumlik, stelle sich der Aufgabe eines Vergleichs der Shoah etwa mit dem Klassenmord der Roten Khmer oder dem Massenmord an Roma und Sinti "nüchtern und engagiert zugleich" und bestimme ihre Einzigartigkeit in Dimensionen, wie der "ideologischen Verblendung" oder der "totalen Vernichtungsstrategie" der Täter. Nicht weniger überzeugend findet der Rezensent die "Skizze einer vorläufigen Erklärung" für den Holocaust, die Bauer beibringt, sowie seine "Hypothesen zu einer vergleichenden Theorie moderner Genozide" - für Brumlik ein durchaus tragfähiges Modell. Brisant an diesem Buch findet Brumlik schließlich nicht nur die "furchtlose Annahme der komparatistischen Herausforderung", sondern ebenso die von Bauer überzeugend entfaltete These, "dass der Staat Israel weder als Ergebnis der Shoah anzusehen sei noch sie hätte verhindern können, wenn er früher gegründet worden wäre". Der Autor unterziehe die Shoah und ihre Historiographie damit einer "radikalen Entmythologisierung" und schlage ein "neues Kapitel in der Geschichte des Gedächtnisses" auf.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2001

Drei neue Publikationen zur Deutung des Holocaust hat sich Hans Mommsen für die SZ angesehen: Yehuda Bauers "Die dunkle Seite der Geschichte", erschienen im Jüdischen Verlag, "Beschweigen und Bekennen", im Wallstein Verlag, herausgegeben von Norbert Frei und Sybille Steinbacher sowie "Auf Wiedersehen Gestern" von Michael Jeismann (DVA). "Die dunkle Seite der Geschichte" von Yehuda Bauer kennzeichnet der Rezensent wie folgt: Dem Verfasser gehe es um die Herausarbeitung der "universalgeschichtlichen Dimension" der Shoah und letztlich um den Versuch, das durch die Ermordung der europäischen Juden ausgelöste Trauma zu überwinden. Dass sich Bauer dabei auf die Reaktion der jüdischen Opfer konzentriert, den jüdischen Widerstand in all seinen Formen darstellt und im übrigen keinen Zweifel lässt an der Verantwortung Hitlers sowie der intellektuellen Eliten, die sich dem Regime willenlos ausgeliefert hätten, hält Mommsen "gerade für das deutsche Publikum" für höchst interessant. Das Buch sei ein "unentbehrlicher Beitrag" zu einem umfassenden Bild des Holocaust; Bauers Resümee der jüngeren Forschung bedürfe hingegen da und dort der Modifikation.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

Rezensent Micha Brumlik ist von dieser Studie sehr angetan. Der Autor stelle sich der schwierigen Aufgabe, die geschichtlichen Ursachen der Shoah zu erklären und sie dabei gleichzeitig geschichtlich einordnen, ohne aber die Würde der Opfer zu verletzen. Brumlik befindet, dass das Buch einen wichtigen Beitrag zur Entmythologisierung leistet und "ein neues Kapitel in der Geschichte des Gedächtnisses aufgeschlagen" hat. So sehe der Autor eine der wesentlichen Ursachen der Shoah in der "ideologischen Besessenheit einer durchaus begrenzten Anzahl nazistischer 'Lumpenintellektueller'". Dieses Erklärungsmodell bietet, so Brumlik, Ansätze zu einer vergleichenden Theorie der Genozide. Die Position des Autors bezeichnet der Rezensent als die eines "gemäßigt linken Zionisten", der diese Wertebasis auch in seinem Buch nicht verberge. Brumlik lobt die Übersetzung von Christian Wiese als "luzide" und beschließt seine Rezension mit der Bemerkung, dass das Buch einen wichtigen Beitrag leistet zur zukünftigen Diskussion darüber, was eine 'Globalisierung des Holocaust' heißen könnte.
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