Aus dem Amerikanischen von Maria Meinel. In ihren Erzählungen über Vertreibung und Flucht dehnt Yanara Friedland den historischen Raum zu einem weiten Feld der Assoziationen aus. Sie erschafft durch die Vermengung von Fakten und Fantasie eine nicht an die Gesetze von Raum und Zeit gebundene Gegend, die etliche Gestalten durchstreifen.Dieses Uncountry lotet Friedland in den vier Büchern "Asche", "Atem", "Hunger" und "Zukunft" aus, um in immer neuen Bewegungsmustern individuelle Erinnerung und Erfahrung mit historischen Gegebenheiten und kulturgeschichtlicher Reflexion zu verweben - und mit jüdischer Geistesgeschichte. Hier wirft der namenlose, fahnenflüchtige Soldat seinen Helm in den Graben, quert die biblische Esther den Weg, hier hadert Abraham mit dem Sohnesopfer und zieht die schwangere Mutter der Autorin in den Bendlerblock. So entsteht eine mit Worten erschaffene Landschaft der Spurensuche und Imagination, der Träume und Sehnsüchte, die jeden sichtbaren Ort mehr und mehr überlagert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2021
Rezensentin Angela Schader blickt kritisch auf Yanara Friedlands Versuch einer Mythologie des 21. Jahrhunderts. Wie die Autorin eine genealogische Spurensuche in eigener Sache mit Narrativen von Migranten, biografischen Skizzen zu öffentlichen Figuren wie Unica Zürn oder Ulrike Meinhof und religiösen Bezügen verbindet, findet Schader anregend, aber immer wieder auch anstrengend, da die Beziehungen zwischen den aufgrufenen Figuren und Orten nicht immer klar werden. Das schmälert den Lektüregenuss für Schader leider etwas.
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