Björn Bicker

Was wir erben

Roman
Cover: Was wir erben
Antje Kunstmann Verlag, München 2013
ISBN 9783888978180
Gebunden, 300 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Elisabeth ist Schauspielerin an einem renommierten Theater. Mit Holger, einem Arzt, lebt sie das, was man ein geordnetes, erfolgreiches Leben nennen könnte. Bis ein Fremder sie anruft und behauptet, ihr Bruder zu sein. Er sei sich ganz sicher und auch schon in der Stadt, ob sie sich sehen könnten. Bei ihrem Treffen zeigt er ihr ein Foto: ihr Vater und seine Mutter während der Olympischen Spiele in München, 1972. Elisabeths Geburtsjahr - und das des halben Bruders. Seine Mutter sei gestorben, ob Elisabeth ihm mehr über seinen Vater erzählen könne. Sie deutet an, dass es nicht leicht war mit dem Vater, dem Flüchtling, dem Trinker, dem Soldaten. Elisabeth beginnt, einen Brief zu schreiben, in dem sie dem Bruder vom Leben des Vaters und ihrer Familie berichtet. Ein Leben im frostigen Schlagschatten der deutschen Geschichte, ein Leben, das an ihr klebt wie eine zweite Haut. Auf den Spuren des Vaters landet sie in dessen Geburtsstadt, die in jenem doppelt untergegangenen Land liegt, in dem für sie Vergangenheit und Gegenwart, Fiktion und Realität verschmelzen. Die echten und die erfundenen Gespenster der deutschen Geschichte tauchen in Elisabeths Leben wieder auf: das Politische, das Private, die Liebe, der Hass, Betrug und Wahrheit, das Theater und die Wirk­lichkeit. Eins wuchert im anderen herum. Über Generationen hinweg.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.08.2013

Lesenswert ist Björn Bickers Roman "Was wir erben" in jedem Fall, versichert Rezensent Christopher Schmidt - auch wenn er durchaus einige Kritikpunkte anzubringen hat. Denn die Geschichte um die junge Münchener Schauspielerin, die eines Tages nicht nur genug von der "feigen Kunstscheiße" des Theaters hat, sondern insbesondere ihre Identität zu verlieren glaubt, als sie von einem in ihrem Geburtsjahr 1972 gezeugten Halbbruder erfährt, erscheint dem Kritiker teilweise schlichtweg zu "überinszeniert". Bicker, der einst als Dramaturg an den Münchner Kammerspielen arbeitete, versuche hier Lebensgeschichte und deutsche Zeitgeschichte von der Nazizeit über die DDR bis zur Gegenwart zu verbinden - trage dabei aber leider häufig zu dick auf, moniert Schmidt. Zugleich lobt er aber das perfekt inszenierte "Kammerspiel" zwischen der Tochter und ihrem Vater, dessen Trinksucht in ihrer klinischen Präzision laut Schmidt "ergreifend" dargestellt wird.
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