Dina Nayeri

Ein Teelöffel Land und Meer

Roman
Cover: Ein Teelöffel Land und Meer
Marebuchverlag, Hamburg 2013
ISBN 9783866480131
Gebunden, 528 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Saba ist elf Jahre alt, als zwei einschneidende Ereignisse ihr Leben verändern. Die Islamische Revolution zwingt Sabas wohlhabende christliche Familie dazu, Teheran zu verlassen und sich fern von den prüfenden Blicken der Mullahs auf ihre Ländereien in der Gilan-Provinz zurückzuziehen. Kurz darauf verschwinden ihre Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab spurlos. Ihr Vater und die Nachbarn im Dorf behaupten, Mahtab sei bei einem nächtlichen Bad im Kaspischen Meer ertrunken und die Mutter sei bei dem Versuch, den Iran zu verlassen, festgenommen worden. Doch Saba glaubt an eine ganz andere Geschichte: Immer wieder erzählt sie ihrer besten Freundin Ponneh und dem Jungen Reza, den sie liebt, Episoden aus dem filmreifen Leben, das die beiden Vermissten inzwischen in den USA führen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.12.2013

Als ein schönes literarisches Spiel bezeichnet Seyda Kurt die Geschichte zweier Zwillingsschwestern aus dem Iran, die zwei unterschiedliche Wege gehen, die eine im Iran, die andere in Amerika. Verknüpft mit der Auseinandersetzung um die richtige Religion im falschen Land oder umgekehrt, ergibt das laut Rezensentin ungefähr die Lebensgeschichte der Autorin. Dass Dina Nayeri das Ganze nicht eindimensional gestaltet, sondern ihren beiden Protagonistinnen Ambivalenz zugesteht, weiß Kurt zu schätzen. Ebenso die, wie sie findet, gekonnt übersetzte Sinnlichkeit und Märchenhaftigkeit der Sprache in diesem Roman, die für Kurt erkennbar an iranische Erzähltraditionen anknüpft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2013

Die jungen schreibenden Exil-Iranerinnen sind nicht alle Scheherazaden, muss Sabine Berking feststellen, die den Roman von Dina Nayeri, in dem das Thema einer in Kulturkämpfe verstrickten Generation anhand von Zwillingsschwestern verhandelt wird, nur bedingt märchenhaft findet. Wie gehabt, schreibt Berking etwas gelangweilt, geht es um Erinnerungsarbeit und Identitätssuche. Nayeris sehnsuchtsschwangerer Plot allerdings, der die Trennung der Schwestern und das amerikanische Exil einer von ihnen vorsieht, scheint Berking allzu konstruiert. Überzeugender als die Exilszenen findet sie die in der iranischen Provinz Gilan angesiedelten Teile, wenn die Autorin das traditionelle Leben dort beschreibt. Dann fühlt sich Berking in 1001 Nacht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2013

Als Liebeserklärung der Erzählerin wie auch der Autorin Dina Nayeri an ihre Heimat Iran liest Angela Schader diesen Roman. Dass der Iran mehr als nur ein fragwürdiger Gottesstaat ist, lernt sie hier, ferner, wie sich das Dorfleben im Norden des Landes gestaltet. Letzteres hätte Schader gern ausführlicher erfahren, zumal ihr der einfühlsame Stil der Autorin, gerade auch im Blick auf die älteren Generationen ihrer Landsleute, gut gefällt. Den Mangel der allzu kurzen Erfahrung dieser Lebenswelt - Nayeri verließ Iran bereits mit zehn Jahren in Richtung USA - vermag die Autorin laut Schader jedoch nicht wettzumachen. Immer wieder erscheint der Rezensentin das Bild ergänzt durch spätere Lektüre, Filme und dergleichen, und das erzählte Milieu dadurch mitunter oberflächlich. Ebenso überzeugt die psychologische Konstruktion des Romans um die Projektionen und Hoffnungen einer jungen Frau in Iran Schader nicht durchweg.