Yaacov Lozowick

Hitlers Bürokraten

Eichmann, seine willigen Vollstrecker und die Banalität des Bösen
Cover: Hitlers Bürokraten
Pendo Verlag, Zürich - München 2000
ISBN 9783858423900
Gebunden, 408 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Christoph Münz. Dies ist eine Analyse der berüchtigten Abteilung IV B 4 des Reichssicherheitshauptamtes unter Adolf Eichmann, der "Eichmann-Männer", die ab 1941 die Judendeportationen in ganz Europa organisiert hat. Der Autor zeigt, dass entgegen Hannah Arendts These von der Banalität des Bösen diese Männer sehr genau wussten, was sie taten. Mehrere Fallstudien zeigen das genaue Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie in verschiedenen Ländern. Lozowick folgt nicht Goldhagens These, dass die Gesamtheit der Deutschen sich zur Ausrottung der Juden verschworen hatte, er weist aber nach, dass die Organisatoren der Vernichtung durchaus überzeugte Antisemiten waren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2001

Alfred Cattani zeigt sich recht angetan von diesem Band, in dem der Autor vor allem Hannah Arendt widerspricht, die Adolf Eichmann einst als NS-Bürokraten dargestellt hatte, der sich der Verbrechen, die er begangen hatte, nicht voll bewusst gewesen sei. Lozowick habe bisher unerreichbares Material aus sowjetischen Archive ausgewertet, wodurch es ihm gelungen sei, das Gegenteil von Arendts These zu beweisen. Deutlich werde, dass Eichmann nicht nur Nationalist, sondern auch von Anfang an gezielt und bewusst an der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie beteiligt war. Cattani weist darauf hin, dass dieses Buch trotz zahlreicher Organigramme "nicht leicht zu lesen" ist, was vor allem am unübersichtlichen Aufbau des Vernichtungsapparates im `Dritten Reich` liegt. Klar wird nach Ansicht des Rezensenten aber dennoch, dass Eichmann zu den Menschen gehörte, die "weitaus mehr leisteten, als von ihnen verlangt worden war", wenn es um die Vernichtung von Juden ging. Nach Cattani ist die Argumentation des Autors absolut zwingend, und er betont, dass der Autor - anders als Goldhagen - die Verantwortung für die Judenvernichtung nicht bei der gesamten deutschen Bevölkerung sieht, sondern nur bei einer bestimmten Gruppe von Leuten, die sich dazu noch als "Elite" begriffen habe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.11.2000

Thomas Eckhardt siedelt das Buch des Archivdirektors in Vad Yashem in der Tradition der Auseinandersetzung mit Hannah Arendts berühmten Eichmann-Buch an: der Autor widerspreche heftig der Arendt-These vom NS-Mann als blinden Schreibtischtäter, als gefühl- und phantasielosen Bürokraten, der sich nicht vorstellen konnte, was er tat. Unkommentiert referiert Eckhardt die Thesen Lozowicks: nicht nur die höchsten NS-Männer, auch die Bürokraten der "mittleren Ebene" hätten gewusst, welche Art Befehle sie ausführten, außerdem über einen eigenen Entscheidungsspielraum verfügt. Für Lozowick waren sie, so Eckhardt, "Alpinisten des Bösen". Menschen, die bewusst bösartig waren, ihre Vernichtungsstrategien sorgfältig umgesetzt und später alles bewusst geleugnet oder verharmlost hätten. Als Beleg führe Lozowick eine "kleine und außerordentlich gemeine Geschichte" an: der ungarische Obersturmbannführer Lazlo Ferenczy , bei dem die Fäden zur Hetzjagd auf ungarische Juden zusammenliefen, hängte an seine Tür ein Schild, auf dem stand: "Internationale Versand- und Lagergesellschaft". Und da soll sich einer nichts bei gedacht haben, fragt der Autor in seiner Studie, die nach Eckhardt sehr penibel, aber darum manchmal etwas ermüdend ausgefallen ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000

Michael Wildt würdigt Lozowicks Buch als gelungene Gegendarstellung zu Hannah Arendts Interpretation des NS-Verbrechers Adolf Eichmann als subalternen Bürokraten und banalen Erfüllungsgehilfen. Lozowick zeichnet, so Wildt, eine `gelungenes Bild` der Funktionsweise des berüchtigten Eichmann-Referats. Auch wenn der Autor, Archivdirektor der israelischen Holocaust-Gedenkstätte, manchmal über das Ziel hinausschieße, meint Wildt, `gelingt ihm der Nachweis, wie wenig diese Männer als Befehlsempfänger charakterisiert werden können`. Wildt bedauert allerdings, dass die deutsche Übersetzung nicht noch einmal fachkundig redigiert wurde. Das Versäumnis eines gewissenhaften Lektorats habe zwar `nicht die These des Buches geschmälert, wohl aber den Wert der deutschen Ausgabe`.
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