Was geschieht eigentlich im Jahr 1770? Man lebt im späten Rokoko, aber die Zeit ist hart. Mord, Gift, Hinrichtungen und Räuberbanden sind der Schrecken der Länder. Im Krieg zwischen Russland und dem Osmanischen Reich kommen Tausende um. In Kalkutta verhungern zig-Tausende. In Italien aber begeistert ein Genie die Welt: Wolfgang Amadeus Mozart. Goethe sieht in Straßburg Marie Antoinette auf dem Weg nach Paris. In Paris wird Voltaire noch zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt, aber Jean Jacues Rousseau döst in den Cafés vor sich hin und verfällt in Schwermut. Die Philosophen sind auf dem Wege zur Wahrheit wie die Enzyklopädisten und Immanuel Kant. Die Gelehrten vermessen die Erde, Seefahrer zieht die Neugier in die Südsee. In Oxford studiert man noch beschaulich, in Deutschland spottet das Studentenleben jeder Beschreibung. Der Autor bringt 1770 wieder zum Leben als ein Mosaik zum Panorama menschlicher Verwicklungen und Schicksale.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.06.2001
Eva Maria Fischer zeigt sich ganz angetan von diesem ungewöhnlichen Band, der in anekdotischer Form von Ereignissen aus dem Jahr 1770 erzählt. "Erstaunt, erheitert, bisweilen entsetzt" war die Rezensentin bei der Lektüre, und weist darauf hin, dass man die Kapitel nicht der Reihenfolge nach lesen müsse. So handelt eine Geschichte, wie der Leser erfährt, von der Hochzeit der 13-jährigen Antoinette, deren Bräutigam in der Kirche von ihrem Bruder gedoubelt wurde. Eine andere handelt von einem Feuerwerk bei dem "Hunderte Personen (..) verletzt oder getötet wurden". Und auch die "enthusiastisch nihilistischen Tagebuchnotizen" des 13-jährigen Mozart kommen hier zu Ehren. Fischer weist darauf hin, dass sich der Autor hier bewusst einer Montagetechnik bedient habe, bei der der "Kitt fehlt". Aber gerade diese Form gehört für sie zu den ausgemachten Stärken des Bandes, weil dadurch der "Prozesscharakter der Aufklärung" deutlich gespiegelt werde und darüber hinaus der Leser auch die Möglichkeit erhält, "mitzuentdecken, mitzudenken, mitzuerfahren".
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