Joseph Croitoru

Die Deutschen und der Orient

Faszination, Verachtung und die Widersprüche der Aufklärung
Cover: Die Deutschen und der Orient
Carl Hanser Verlag, München 2018
ISBN 9783446260375
Gebunden, 416 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Die Deutschen stehen seit Jahrhunderten in regem Austausch mit der islamischen Welt. Und doch sind sie hin- und hergerissen zwischen Faszination und Verachtung. Für Joseph Croitoru öffnet sich dieser Zwiespalt schon im Zeitalter der Aufklärung. Bei Staatsmännern wie Friedrich dem Großen, Denkern wie Herder und Autoren wie Lessing finden sich Klischees, die uns noch heute begegnen: Luxus und Reichtum, Falschheit und Faulheit. Die Aufklärung war aber doch mit dem Anspruch angetreten, sich des eigenen Verstandes zu bedienen? Dieses Buch ist ein Appell, in der Auseinandersetzung mit dem islamischen Orient endlich den Maximen der Aufklärung gerecht zu werden - was heute dringender nottut denn je.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018

Ausführlich und gelehrt bespricht Lothar Müller diese Studie des als Osteuropa- und Nahostkorrespondent von FAZ und NZZ bekannten Autors Joseph Croitoru. Dessen Hauptthese, so Müller, revidiert die weit verbreitete Auffassung, eine islamfreundliche Haltung sei in der Folge Lessings ein Charakteristikum der deutschen Aufklärung. Aber so wirkmächtig Lessing war - er war nicht repräsentativ. Croitoru zitiere viele sehr islamkritische Äußerungen von Autoren, die allerdings nicht den Bekanntheitsgrad Lessings haben. Sie knüpften aber laut Müller weniger an Voltaires rigide Kritik am Mohammedismus an, sondern bezogen ihre Energie aus christlicher Konkurrenz zum Islam. Zwar sei auch die Türkei-Politik Friedrichs II. von Preußen aus Machtkalkül eher islamfreundlich gewesen, insgesamt aber ergibt die deutsche Aufklärung ein sehr zwiespältiges Bild, so Müller, der Croitorus Ausführungen nur stützen kann.
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