Selfies sind die bisher erfolgreichste Bildgattung der Sozialen Medien. Dass man ihren Urhebern oft Narzissmus vorhält, wird ihren vielfältigen Funktionen jedoch nicht gerecht. Mit Selfies setzen sich die Akteure der Sozialen Medien vielmehr in jeweils anderen Rollen in Szene: spielerisch, neckisch, provozierend. Die Grimassen und digitalen Nachbearbeitungen von Selfies stehen in einer langen kulturgeschichtlichen Tradition von Masken und Theaterspiel. Mit Selfies machen Personen sich selbst zum Bild; damit entsteht durch sie nicht weniger als eine neue Form von öffentlichem Leben, das in der Moderne - im Anschluss an Richard Sennett - oft totgesagt worden ist.
Der Kulturwissenschaftler Wolfgang Ullrich zeigt, dass Selfies als erster Typus einer demokratisierten wie auch einer globalisierten Bildkultur gelten können - und dass sich in ihnen lang gehegte Utopien erfüllen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 31.05.2019
Zwei Bände begrüßt Rezensentin Anne Kohlick als Eingangsstatements einer neuen Reihe, die über digitale Bildkulturen nachdenken will. Die Begründer der Reihe, Annekathrin Kohout und Wolfgang Ullrich, sind auch die beiden ersten AutorInnen, die über Selfies beziehungsweise Feminismus im Netz nachdenken. Ullrichs Essay über Selfies illustriert dabei lauf Kohlick die Grundthese der Reihe selbst: nämlich dass Kommunikation durch die sozialen Netze bildlicher werden. Es gebe eine Art mündlicher Bildkultur. Das Selfie sei darum nicht an Selbstporträts der Kunstgeschichte zu messen, sondern an einer auch historisch bereits vorhandenen Tendenz der Menschen, über ihr eigenes Bild zu reflektieren und es qua Rollenspiel und Maske auszuprobieren. Kohlick fühlt sich von Ullrichs Band angeregt und lobt bei beiden Bänden "kulturgeschichtlichen Anspruch und überraschende Bildvergleiche".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2019
Hanna Engelmeier schaut mit Wolfgang Ullrichs Essay auf das Selfie und seine Kodifizierungen. In die Geschichte des Selbstporträts ordnet Ullrich das Selfie laut Rezensentin unter Verwendung von Warburgs "Pathosformeln" ein. Wie der Autor das Selbstverständliche in seinem Essay neu betrachtet und kenntnisreich erläutert, was das Selfie so attraktiv macht, findet Engelmeier lesenswert, auch wenn der Autor kaum Quellen nennt. So bleibt der Text für Engelmeier "geschmeidig und spontan" - wie ein Selfie - und macht Lust auf mehr zum Thema.
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