Wolfgang Hilbig

Wolfgang Hilbig: Gedichte

Werke, Band 1
Cover: Wolfgang Hilbig: Gedichte
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783100336415
Gebunden, 538 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Als Wolfgang Hilbig am 2. Juni 2007 starb, verlor die deutschsprachige Literatur eine einzigartige Stimme. Bis zuletzt gelangen ihm Gedichte von dunkler, träumerischer Schönheit; sie waren der Anfang und das Ende seines Schreibens. Selbst in seinen großen Romanen war der lyrische Ton unüberhörbar. Ausgehend von den Traditionen der Romantik, des Symbolismus, des Expressionismus und geprägt von den Alltagserfahrungen eines Arbeiterlebens in der DDR, schuf er sich seine eigene Sprache: leidenschaftlich und voll brennender Sehnsucht, elegisch, grüblerisch, zärtlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2008

Der erste Band der Gesamtausgabe von Wolfgang Hilbig erscheint Rezensent Harald Hartung als Sensation. Stößt er darin doch auf Schätze wie die 53 einst von der Stasi konfiszierten Gedichte, betitelt "Scherben für damals und jetzt". Der in diesem Band publizierte umfangreiche lyrische Nachlass des Autors legt für Hartung Zeugnis ab von der Unbeirrbarkeit des Dichters Hilbig in der DDR. Dass er in den Texten mitunter auf "die bekannten Schwächen des Autodidakten" stößt und auf Pathos, lässt den Rezensenten allerdings nicht verkennen, dass sich Hilbig, etwa durch Bezüge auf Tristan Corbiere, auch der Moderne öffnet. Das den Verhältnissen Abgerungene erscheint Hartung allemal bemerkenswert. Ob "galliger" Kommentar zu den Mechanismen der Verdrängung oder Klarsicht beim Blick auf das eigene Alkoholproblem, immer vernimmt Hartung den Glauben des Dichters an die eigene unauslöschliche Stimme. Darüber hinaus ermöglicht der nun publizierte Nachlass dem Rezensenten einen neuen Blick auf Hilbigs bekannte Gedichtbände - als Summen verschiedener poetischer Epochen. Der Autor verdient damit nach seinem Dafürhalten einen Platz unter den großen Figuren des abendländischen Erbes.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.08.2008

Freudig begrüßt Alexander Cammann diesen Band mit Gedichten Wolfgang Hilbigs, den ersten einer auf sieben Bände angelegten Werkausgabe. Er würdigt die Sammlung als eine "lyrische Schatzkammer", deren Umfang und Abwechslungsreichtum ihn erstaunt und beeindruckt hat. Neben 188 bereits veröffentlichten Gedichten - u.a. "abwesenheit" (1979), "stimme stimme" (1983), "die versprengung" (1986) und "Bilder vom Erzählen" (2001) - findet er darin auch 153 Gedichte aus dem Nachlass. Besonders die frühen Gedichte des Zyklus "Scherben von damals und jetzt" haben es ihm angetan. Sie machen für ihn die Wut Hilbigs wieder erfahrbar. Er verortet den 2007 verstorbenen Schriftsteller "zwischen Novalis und George, zart glühend". Der Einschätzung Ingo Schulzes, Hilbig schreibe das "ungeheuerlichste Deutsch der Gegenwart" kann er sich nur anschließen. "Einer wie er", so Cammann, "ist nirgendwo in Sicht."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.07.2008

Schlichtweg begeistert ist Jürgen Verdofsky angesichts des ersten Bandes von Wolfgang Hilbigs gesammelten Gedichten, die nun als siebenteilige Werkausgabe vorliegen. Überzeugt würdigt er das Lebenswerk des im vorigen Jahr verstorbenen Dichters und "Surrealisten aus dem Kesselhaus", dessen Prosa und Lyrik er für gleichermaßen bedeutungsvoll erachtet. Ein jedes Gedicht erscheint dem Rezensenten als Ausdruck von Selbstbehauptung. Seine Frühwerke bezeichnet Verdofsky als "Signale eines sich frei Schreibenden", die die Urkraft von Hilbigs Sprache versinnbildlichten. Immer auf der Suche nach Bild und Worten, sieht er den Dichter, obgleich fortwährend die Moderne zitierend, "verurteilt zur Selbstfindung". An seine eigenen Kapazitäten stoßend, befindet der Rezensent, eine Besprechung sei nicht ausreichend, Hilbigs Werk "noch lange nicht ausgelesen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.05.2008

Jan Volker Röhnert macht aus seiner tiefen Bewunderung für den Dichter und Prosaschriftsteller Wolfgang Hilbig keinen Hehl und freut sich nahezu ungetrübt über diese Gedichtsammlung, die einen Querschnitt aus Hilbigs gesamtem lyrischen Werk bietet. Der Band umfasst Texte des Frühwerks, wie einen frühen Gedichtzyklus, den man in seiner Stasi-Akte wieder gefunden hat, Publikationen, die in Ost- und Westdeutschland erschienen, bis hin zu Gedichten aus dem Berliner Nachlass, von denen man hier erstmals eine Auswahl entdecken kann, erklärt der Rezensent. Diese Publikation ist dem begeisterten Röhnert geradezu ein "Ereignis", das Hilbigs erstaunlich müheloses "Zwiegespräch" mit Dichtern wie Edgar Allan Poe oder Robert Creeley demonstriert und den Rezensenten an die dunklen Filme eines Andrej Tarkowski erinnert. Hier kann man einen Monolithen der Literatur entdecken, der mit seinen Gedichten Unsterblichkeit erringen wird, so der Rezensent feierlich. Wenn er an diesem Band etwas auszusetzen hat, dann ist es die für seinen Geschmack allzu große Zurückhaltung des Herausgebers bei den Kommentaren, denn gerade in Hilbigs Werk, das in der DDR nur unter Schwierigkeiten erscheinen konnte, wären detailliertere Informationen aufschlussreich, so der ansonsten restlos begeisterte Rezensent.
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