Wolfgang Hilbig ist ein Autor der literarischen Moderne. Aber welcher? Literaturkritik und Literaturwissenschaft stellten ihn immer wieder in die Tradition der westlichen Moderne und leiteten seine Gedichte von Rimbaud und seine Prosa von Kafka her. Das trug ihm manchen Preis ein, aber auch manche Kritik, weil die Moderne in den 1980er und 90er Jahren längst unter Anachronismusverdacht stand. Zum Verständnis seiner Texte trug es ohnehin nur eingeschränkt bei. In dem Maße, in dem man sich nur unzureichend über die Einseitigkeit dieses Modernebegriffs im Klaren war, verstellte er einen Teil der Moderne, die für Hilbig nicht weniger prägend war. Zu ihr gehört Welimir Chlebnikow ebenso wie der russische Formalismus. Die Beiträge des Bandes versuchen, einen ost-west-transzendenten Modernebegriff wiederzugewinnen, und konfrontieren ihn mit Hilbigs Texten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.08.2021
Rezensent Helmut Böttiger freut sich über zwei Tagungsbände zum Werk Wolfgang Hilbig. Erstaunt über die Faszination der französischen Germanistik für Hilbigs Gedichte, erfährt er Wissenswertes etwa über Hilbigs Beziehung zu Baudelaire (Françoise Lartillot) und eine "Poetik des Abgrunds" in seinen Texten (Nadia Lapchines). Ebenso erhellend erscheinen ihm Paralellisierungen von Peter Huchel und Hilbig (in einem Aufsatz von Maryse Jacobs) und die Bezüge, die Marie-Luise Bott zwische dem Autor und Conrad Ferdinand Meyer herstellt. Das gewagte Unternehmen, sich dem theoriefernen Hilbig auf diese Art und Weise zu nähern, meistern die Autoren laut Böttiger überzeugend. Dass die DDR mit Hilbig ihre eigene Moderne hatte, ahnt der Rezensent nach der Lektüre wohl.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…