Natascha Wodin

Nachtgeschwister

Roman
Cover: Nachtgeschwister
Antje Kunstmann Verlag, Müchnen 2009
ISBN 9783888975608
Gebunden, 256 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

"Ich wusste sofort, dass ich auf etwas Großes gestoßen war, auf etwas Einmaliges, auf einen Dichter, wie es sie zu allen Zeiten nur vereinzelt gegeben hat." Ein Bändchen mit Gedichten, eher zufällig mitgenommen in einer Buchhandlung, ist der Auslöser für eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, eine Obsession, eine quälende Verstrickung. "Schon von den ersten Zeilen ging eine Kraft aus, ein Licht, eine Dunkelheit, ein Schmerz, eine Schönheit, eine Wucht", so erzählt die Frau, die die Gedichte liest , "dass sich die Welt in einem einzigen Augen blick für mich verändert hat, weil es in ihr jetzt diese Stimme gab." Die Stimme des Seelenverwandten, die Stimme eines Verlorenen. Aber auch eines Gefundenen. Denn nun setzt sie alles in Bewegung, um den Autor dieser Gedichte zu treffen, der unerreichbar ist im anderen Teil Deutschlands. Sie schreibt, sie ruft an. Und als er eines Tages tatsächlich kommt, wird ihr Traum wahr. Und zum Albtraum. Denn der Mann, der kommt und bleibt, ist anders, als sie ihn sich erfunden hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2009

Erst nach Wolfgang Hilbigs Tod konnte Natascha Wodin wohl diesen Roman über ihr Leben mit ihm schreiben, vermutet Burkhard Müller. Der sei dafür aber sehr bewundernswert, man merke, dass Wodin neben dem berühmten Schriftsteller selbst eine bedeutende Autorin ist. Die "Lese-, Liebes- und Leidensgeschichte" der Ich-Erzählerin und des fiktiven Jakob Stumm beschönige nichts: Der Wahnsinn, den beide provozierten und auslebten, sei aus einer Liebe heraus geboren, die bei dem Leser "mulmige" Gefühle verursache. Die "radikale Energie" des Buches sei dieser Liebe geschuldet, die schonungslos ehrlich und deshalb auch sich selbst verletzend dargestellt werde. Müller erkennt, dass die Autorin die eigene Geschichte absichtlich kaum fiktionalisiert hat. Der Rezensent vermutet anhand des Titels "Nachtgeschwister", dass Wodin versucht habe, ihren Ehemann zu erlösen, um selbst erlöst zu werden. Nun habe sie die Freiheit gewonnen und darüber ihr Buch geschrieben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.06.2009

Es sei das bewegendste Buch, das er in der letzten Zeit gelesen habe, schreibt Rezensent Karl Corino über diesen Schlüsselroman von Natascha Wodin über ihre Beziehung zu Wolfgang Hilbig, dessen Gegenstück Hilbigs Roman "Provisorium" sei. Viele Schilderungen wirken auf Corino "wie einander bestätigende Parallelen", der Wodin im Gegensatz zu Hilbig auch Diskretion bescheinigt, denn bei genauerer Kenntnis der biografischen Hintergründe stellt er fest, dass Natascha Wodin in einer ganzen Reihe von Fällen das Verschweigen der Preisgabe vorgezogen habe. Erschüttert liest er sich durch diese Geschichte einer Amour fou "im schaurig-schönsten Sinne", die er als "endlose Kette von Alkohol-Exzessen, Gelöbnissen der Besserung, Entziehungskuren, Liebeswut, Eifersucht, Streitigkeiten, Fluchten, Neurosen" empfand. "Derjenige, den ich liebte, war nur auf dem Papier, im Leben erreichte ich ihn nicht, und das erfüllte mich mit einer so verzweifelten, rasenden Traurigkeit", zitiert der Rezensent die Autorin, die aus seiner Sicht zumindest den sagbaren Teil dieser rätselhaften Beziehung in diesem Buch für ihn nun gelöst hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.06.2009

Ein bisschen bieder fragt Ursula März anfangs, ob Natascha Wodin das "darf", so viel über ihren verstorbenen Mann, den Dichter und Schriftsteller Wolfgang Hilbig preiszugeben. Aber zum Glück antwortet sie ziemlich schnell: Natürlich darf sie, denn sie macht es gut. So empfindet März die Lektüre zwar immer ein wenig "brenzlig", denn Wodin erzählt sehr schonungslos von Hilbigs Extravaganzen, Besäufnissen, Abstürzen und der - wen wundert's - Impotenz. Doch weil Wodin es nicht bei der Enthüllung eines "modernen Dichtermonstrums" belässt, sondern immer eine eigene "literarische Intelligenz" dabei aufrecht erhält, hat sie mit größter Faszination diesen Roman gelesen, der einer leicht aus der Mode gekommenen "verzehrenden Künstlerwildheit" durchaus ihren Platz einräumt, ihr aber nie erliegt.
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